Widersprüche in den Quellen

Die Profile auf dieser Website beruhen auf den Biografien des Forschungsprojekts Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961–1989, die in der Chronik der Mauer auf Deutsch und auf Englisch veröffentlicht sind. Manchmal stimmen die Quellen in einer Einzelheit nicht überein. Diese Seite führt alle Widersprüche auf, die in den Profilen vermerkt sind, in der Reihenfolge, in der die Menschen starben. Die Profile selbst gibt es bisher nur auf Englisch.

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Warum die Quellen voneinander abweichen

Die englischen Biografien sind Übersetzungen der deutschen Originale, und bei der Übersetzung kann sich eine Einzelheit verändern. Die Liste der 140 Todesopfer, die das Projekt 2017 veröffentlicht hat, nennt mitunter ein anderes Datum als die Biografie, und eine Biografie kann sich auch selbst widersprechen. Gerichtsurteile, Inschriften an Gedenkorten und spätere Forschungen können ebenfalls ein anderes Datum, einen anderen Ort oder einen anderen Hergang nennen.

Wie die Profile damit umgehen

Weichen die Quellen voneinander ab, folgt die Website der Biografie in der Chronik der Mauer; unterscheiden sich das deutsche Original und die englische Übersetzung, folgt sie dem deutschen Original. Ist eine Quelle unsicher, etwa bei einem Datum oder bei der Frage, wie jemand ums Leben kam, sagt das Profil dies; widerspricht sich eine Quelle selbst, stellt das Profil die strittige Angabe nicht als Tatsache dar. Jeder Widerspruch wird im Profil neben den Angaben zur Person erläutert, mit dem Hinweis, welche Quelle was sagt. Jede Korrektur wird im Korrekturprotokoll festgehalten.

Wenn Sie eine Quelle kennen, die eine dieser Fragen klärt, schreiben Sie bitte an info@berlinexperiences.com.

Die Widersprüche, Person für Person

249 Widersprüche zu 105 Personen, geordnet nach dem Todesjahr.

1961 11 Personen, 36 Widersprüche

  1. Ida Siekmann 1902–1961

    Ort des Todes
    Die Biografie des Forschungsprojekts und ein Bericht der New York Times vom 24. August 1961 geben an, dass sie auf dem Weg ins Krankenhaus starb. Ein 1962 veröffentlichter Bericht des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen schreibt, sie sei sofort tot gewesen. Dieses Profil folgt der Biografie.
    Uhrzeit des Sprungs
    Der Tagesrapport der Ost-Berliner Volkspolizei nennt als Zeitpunkt gegen 6.50 Uhr, ein Bericht des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen von 1962 gegen 6.40 Uhr. Das Profil zitiert den Ost-Berliner Bericht.
    Was vor dem Sprung hinausgeworfen wurde
    Die Biografie des Forschungsprojekts nennt Bettzeug und andere Habseligkeiten, die sie zuvor aus ihrem Fenster warf. Die New York Times vom 24. August 1961 spricht von Habseligkeiten und ihren Papieren, der Rapport der Ost-Berliner Volkspolizei von Gepäckstücken und einem Paket, die „aus einer Wohnung des gleichen Hauses“ geworfen wurden.
  2. Günter Litfin 1937–1961

    Wie weit er geschwommen war und wo ihn der Schuss traf
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts war das West-Berliner Ufer fast in Reichweite, als ihn eine Kugel in den Hinterkopf traf. Ein Bericht des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen von 1962 gibt an, er habe die Mitte des Hafenbeckens bereits passiert; Spiegel Online schrieb 2007, ihn hätten in dem rund 40 Meter breiten Kanal noch rund 20 Meter vom Ufer getrennt; die taz schrieb 2017, er sei auf halber Strecke durch einen Genickschuss getötet worden.
    Uhrzeit des Fluchtversuchs
    Die Biografie des Forschungsprojekts nennt „kurz nach 16.00 Uhr“. Der Bericht der Transportpolizei, wie ihn die taz 2001 zitiert, nennt gegen 16.10 Uhr, der Rapport der Ost-Berliner Volkspolizei vom folgenden Tag gegen 16.15 Uhr, das Fernschreiben der West-Berliner Polizei 16.20 Uhr, spätere Presseberichte 16.15 Uhr.
    Was er am 12. August 1961 in West-Berlin tat
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts, die sich auf Angaben seines Bruders stützt, verbrachte er den 12. August 1961 mit Mutter und Bruder bei Verwandten in West-Berlin. Eine Zeitungsserie der taz von 2011 schreibt, er habe dort seine künftige Wohnung renoviert und sei nach Mitternacht in den Osten zurückgefahren.
    Seine letzten Augenblicke im Wasser
    Das Profil beschreibt seine letzten Augenblicke nicht. Ein Zeitungsbericht von 2001 schreibt, er sei verletzt worden, habe aufgegeben und die Hände gehoben, bevor ihn der tödliche Schuss traf; sein Bruder sagte 2007, Günter habe die Hände gehoben, um sich zu ergeben; die Washington Post schrieb 1962, die Posten hätten geschossen, bis seine Hände hochflogen und er unterging. Die Biografie des Forschungsprojekts und die Polizeiberichte erwähnen nichts davon.
    Ob er in West-Berlin gemeldet war
    Laut Forschungsprojekt und Stiftung Berliner Mauer nahm er sich eine Wohnung in Charlottenburg, meldete sich dort aber nicht polizeilich an, um seine Familie weiter besuchen zu können. Spiegel Online schrieb 2007, er sei schon lange offiziell in Charlottenburg angemeldet gewesen und noch immer in den Osten gependelt.
    Wie lange sein Bruder verhört wurde
    Laut Forschungsprojekt wurde sein Bruder nach der Festnahme am 25. August eine Nacht lang verhört. In seinen eigenen späteren Schilderungen spricht der Bruder von einem Verhör bis etwa Mitternacht.
    Die tödliche Verletzung
    Laut Forschungsprojekt und Stiftung Berliner Mauer traf ihn eine Kugel am Hinterkopf. Eine Stasi-Information vom 31. August 1961 nennt nach der Untersuchung der Leiche einen Einschuss im Genick und einen Ausschuss am Kinn und hält fest, dass er ertrank; ein Bericht von 2007 zitiert die rechtsmedizinische Diagnose als Hals- und Mundboden-Durchschuss, verbunden mit Ertrinken; die taz schrieb 2017 von einem gezielten Genickschuss.
    Wer schoss und wie oft
    Der Rapport der Ost-Berliner Volkspolizei vom folgenden Tag beschreibt einen einzelnen Transportpolizisten, der zwei Warnschüsse, drei Schuss Sperrfeuer und dann zwei gezielte Schüsse abgab, von denen einer tödlich war; auch eine Stasi-Information vom 31. August 1961 spricht von einem Transportpolizisten, der Sperrfeuer und dann einen gezielten MPi-Feuerstoß abgab. Die West-Berliner Polizei meldete mehrere MP-Salven von Trapo und Vopo. 1997 wurden zwei damalige Schützen wegen gemeinschaftlich begangenen Totschlags verurteilt.
    Die Strafen von 1997
    Laut Forschungsprojekt, das sich auf das Urteil stützt, erhielten die beiden ein Jahr sowie ein Jahr und sechs Monate, jeweils zur Bewährung ausgesetzt. Die taz (2001) und der Bruder in seinem Artikel von 2011 nennen für den Schützen anderthalb Jahre auf Bewährung; eine taz-Reportage von 2009 nennt 16 Monate auf Bewährung. Die Seite der Gedenkstätte der Stiftung Berliner Mauer schreibt, beide hätten eine geringe Freiheitsstrafe mit einer Bewährungsfrist von einem Jahr erhalten.
  3. Roland Hoff 1934–1961

    Wie er an das Kanalufer gelangte
    Nach einem vom Forschungsprojekt zitierten Bericht der Potsdamer Volkspolizei muss er sich unter die vierzig Arbeiter an der Uferböschung gemischt haben und so ans Wasser gelangt sein. Eine MfS-Information zu den Schüssen gibt an, die etwa 40 Arbeiter seien rund 300 Meter vom Ort des Durchbruchsversuchs entfernt gewesen und die Posten hätten ihn kurz vor Erreichen des Kanals bemerkt; zugleich heißt es dort, auch aus unmittelbarer Nähe des Arbeitskommandos sei auf ihn geschossen worden.
    Was der festgenommene Arbeiter rief
    Das Forschungsprojekt gibt, gestützt auf die Aussage eines Augenzeugen von 1993, an, der protestierende Arbeiter habe die Posten als „KZ-Wächter“ und „Mörder“ beschimpft. Eine MfS-Information zu den Schüssen verzeichnet seine Äußerung als „Hier wird von Deutschen auf Deutsche geschossen“ und gibt an, er sei vernommen und gegen 17 Uhr wieder entlassen worden. Übereinstimmend wurde er nur kurz festgehalten.
    Abfolge der Schüsse
    Laut Forschungsprojekt beschossen ihn vier Grenzpolizisten weiter, bis er tödlich am Kopf getroffen versank. Eine MfS-Information zu den Schüssen verzeichnet einen Warnschuss, dann mehrere gezielte Schüsse aus Maschinenpistolen und einen Karabinerschuss, nach denen er sofort unterging. Ein Potsdamer Zeitungsbericht von 2011 schreibt, der erste Schuss habe ihn fast in der Kanalmitte am Hinterkopf getroffen; nach weiteren Schüssen sei er untergegangen.
  4. Rudolf Urban 1914–1961

    Todesdatum
    Die Biografie des Forschungsprojekts und das Gesamtkonzept des Berliner Senats zur Erinnerung an die Berliner Mauer von 2006 nennen den 17. September 1961 als Todestag; ein 1962 veröffentlichter Bericht des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen nennt den 15. September 1961. Dieses Profil folgt der Biografie.
    Wie er stürzte und welche Verletzung er erlitt
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts, die sich auf die Schilderung seiner Witwe stützt, rutschten er und seine Frau am Seil ab, und er zertrümmerte sich das Fersenbein. Ein Bericht des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen von 1962 gibt an, das Seil – eine Wäscheleine – sei gerissen; er habe einen komplizierten Beinbruch und weitere Verletzungen erlitten.
    Wer mit ihm floh
    Die Biografie des Forschungsprojekts schildert nur, wie Rudolf Urban und seine Frau sich abseilten. Ein Bericht des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen von 1962 spricht von zwei Ehepaaren, die an diesem Tag aus der Wohnung im ersten Stock zu fliehen versuchten.
  5. Olga Segler 1881–1961

    Uhrzeit des Sprungs
    Das Profil nennt nur den Abend. Ein Bericht des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen von 1962 nennt 21.05 Uhr, auch die Ereignismeldung der West-Berliner Polizei spricht von etwa 21 Uhr; die Meldung der Ost-Berliner Bereitschaftspolizei nennt gegen 21.30 Uhr.
    Zahl der Menschen, die durch Sprung oder Abseilen nach Wedding flüchteten
    Nach dem Forschungsprojekt flüchteten in den ersten drei Monaten mehr als 150 Menschen auf diese Weise nach Wedding. Der Bericht der Polizeiinspektion Wedding vom 14. November 1961 nennt in dem ausgewerteten Auszug 73 Fluchten durch Abseilen und 71 durch Sprung, zusammen 144; der vollständige Bericht enthält möglicherweise weitere Fluchtarten. Das Profil folgt dem Forschungsprojekt.
  6. Bernd Lünser 1939–1961

    Ob er angeschossen wurde
    Das Gedenkstätten-Verzeichnis der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gibt an, er sei von zwei Polizisten entdeckt und durch einen Schuss verletzt worden, bevor er vom Dach stürzte. Nach der Meldung der West-Berliner Polizei vom 5. Oktober 1961, den Berichten des Spiegels von 1961 und 1997 und der Biografie des Forschungsprojekts sprang er vom Dach; dass er getroffen wurde, erwähnt keine dieser Quellen.
  7. Udo Düllick 1936–1961

    Ein Flüchtling oder zwei
    Berichte der West-Berliner Polizei von 1961, die sich auf Augenzeugen stützten, und ein Bericht des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen von 1962 sprechen von zwei Flüchtlingen, von denen einer in der Flussmitte getroffen worden sei. Nach dem Forschungsprojekt, das sich auf eine Verfügung der Berliner Staatsanwaltschaft vom 4. Oktober 1994 stützt, belegen die DDR-Akten, dass er allein war.
    Todesdatum
    Er ging kurz vor Mitternacht am 5. Oktober 1961 ins Wasser und wurde etwa eine Stunde später geborgen. Das Forschungsprojekt nennt den 5. Oktober als Todestag; sein Grabstein trägt das Datum 6.10.1961, und der Tagesspiegel schrieb 2014, er sei in der Nacht auf den 6. Oktober ertrunken.
    Polizeiboote
    Die Biografie des Forschungsprojekts nennt ein Boot der Wasserschutzpolizei; ein Bericht der West-Berliner Polizei von 1961 spricht von zwei herangekommenen Booten der Volkspolizei, die auf die Schwimmer schossen.
    Die 2.500 Trauernden und der Gedenkstein
    Die Biografie des Forschungsprojekts nennt 2.500 Teilnehmer der Trauerfeier am Gröbenufer am 7. Oktober 1961 und datiert den Gedenkstein auf den Totensonntag einige Wochen später. Die Gedenkstättendatenbank der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur spricht von 2.500 West-Berlinern bei seiner Beerdigung, die live im Radio übertragen wurde, und von einem Gedenkstein seit dem 14. November 1961.
  8. Werner Probst 1936–1961

    Wann er entdeckt wurde
    Die Kurzfassung am Anfang der Biografie des Forschungsprojekts nennt gegen 22.20 Uhr, die Biografie selbst gegen 22.30 Uhr. Zwei am folgenden Tag verfasste Berichte, einer der Ost-Berliner Bereitschaftspolizei und einer der West-Berliner Polizei, nennen übereinstimmend gegen 22.35 Uhr, der erste für seinen Versuch, hinüberzuschwimmen, der zweite für die Leuchtkugeln und Schüsse von der Schillingbrücke. Das Profil folgt der Biografie.
  9. Lothar Lehmann 1942–1961

    Geburtsdatum und Geburtsort
    Nach dem Forschungsprojekt nennen amtliche Unterlagen den 28. oder 29. Januar 1942 als Geburtsdatum und machen unterschiedliche Angaben dazu, ob er in Ostpreußen oder in Falkensee geboren wurde. Ein Bericht des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen von 1962 nennt das Geburtsjahr 1941.
    Todesursache
    Die Obduktion, auf die sich das Forschungsprojekt stützt und die Ermittlungen der 1990er Jahre bestätigten, ergab Ertrinken infolge Kälteschock und Kreislaufkollaps. Ein Bericht des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen von 1962 gab, gestützt auf die Aussage eines Flüchtlings, an, er sei erschossen worden.
    Was der Familie mitgeteilt wurde
    Nach der Aussage seiner Mutter von 1992 teilten Angehörige der Grenzpolizei den Eltern noch am selben Abend mit, ihr Sohn sei beim Versuch der Fahnenflucht ertrunken. Ein Bericht des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen von 1962 gibt nach der Aussage eines Flüchtlings an, seine Einheit habe der Mutter mitgeteilt, er sei bei einem Unfall während des Wehrdienstes ums Leben gekommen.
  10. Dieter Wohlfahrt 1941–1961

    Wer zuerst schoss und ob die Fluchthelfer bewaffnet waren
    Die Berichte der DDR-Grenzpolizei und der Stasi behaupten, zuerst sei von westlicher Seite ein Pistolenschuss gefallen, und neben dem Toten seien eine Pistole und Munition gefunden worden. Seine Freunde versicherten den West-Berliner Ermittlern, niemand von ihnen sei bewaffnet gewesen; diese wiesen die DDR-Darstellung als Propaganda zurück. Nach dem Forschungsprojekt liegt eine Manipulation der DDR-Berichte nahe, lässt sich aber nicht beweisen.
    Wie lange er im Stacheldraht lag und woran er starb
    Nach dem Forschungsprojekt lag er über eine Stunde ohne Lebenszeichen im Stacheldraht; ein Zeitungsbericht von 1962, zitiert in einer Studie von 2005, nennt 90 Minuten und gibt an, er sei verblutet; der offene Brief der Studenten vom Dezember 1961 spricht von zwei Stunden. Die DDR-Grenzpolizei hielt einen Herzdurchschuss fest, ein Stasi-Bericht nennt eine Bergung gegen 19.30 Uhr.
    Was die Mutter am Zaun rief
    Nach der Erinnerung seines Mitstreiters kam die Mutter auf sie zu und rief aufgeregt nach ihrer Tochter. Der Bericht der DDR-Grenzpolizei gibt an, sie habe ein mit den Offizieren, die den Hinterhalt gelegt hatten, verabredetes Losungswort gerufen.
  11. Ingo Krüger 1940–1961

    Todesdatum
    Meldungen der Ost-Berliner Grenzpolizei zufolge war er bereits tot, als er an der Marschallbrücke geborgen wurde; dann wäre der 10. Dezember 1961 sein Todestag, wie ihn auch das Gedenkkreuz der Weißen Kreuze nennt. Das Gerichtsmedizinische Institut verzeichnete den Tod am 11. Dezember 1961 um 0.10 Uhr; diesem Datum folgt das Forschungsprojekt.
    Todesursache
    Das Obduktionsbuch vermerkt wahrscheinlichen Tod durch Ertrinken. Untersuchungen des MfS sollen ein Versagen des Atemgeräts ergeben haben, die Ermittlungen der 1990er Jahre kamen zu dem Schluss, dass er infolge eines Kälteschocks starb. Vermutungen über einen gewaltsamen Tod ließen sich nicht bestätigen.
    Wie er aus dem Wasser geholt wurde und was der Familie mitgeteilt wurde
    Nach dem Forschungsprojekt, das sich auf die Schilderung seiner Verlobten stützt, suchten Zollbeamte das Wasser mit Haken und Scheinwerfern ab und zogen schließlich einen Körper heraus. Ein Bericht des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen von 1962 gibt an, die Besatzung eines Zollboots habe ihn entdeckt und mit Enterhaken an Bord zu ziehen versucht; etwa zwei Stunden später sei das Boot mit einem leblosen Körper zurückgekehrt, und den Angehörigen sei die Einäscherung mitgeteilt worden. Das Forschungsprojekt nennt eine Beerdigung auf dem Friedhof Baumschulenweg am 23. Dezember 1961.
    Wo er ins Wasser ging
    Nach dem Forschungsprojekt riet ihm eine Freundin, unterhalb des Bahnhofs Friedrichstraße in die Spree zu steigen, um den Zollbooten auszuweichen. Ein Bericht des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen von 1962 gibt an, er habe von der Marschallbrücke aus zu schwimmen versucht. Geborgen wurde er nach beiden Darstellungen an der Marschallbrücke.

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1962 18 Personen, 39 Widersprüche

  1. Heinz Jercha 1934–1962

    Wo ihn die Kugel traf
    Seine Biografie in der Chronik der Mauer, die sich auf den West-Berliner Obduktionsbericht stützt, nennt einen Querschläger in die Brust. Die 2012 enthüllte Gedenktafel und ein Bericht im vorwärts aus demselben Jahr sprechen von einem Treffer in den Rücken. Der Bericht der West-Berliner Polizei von 1962 vermerkt nur einen Lungendurchschuss.
    Beginn der Tunnelfluchten und Zahl der Geflüchteten
    Laut seiner Biografie in der Chronik der Mauer wurde der Tunnel ab dem 21. März 1962 genutzt und verhalf „Dutzenden“ zur Flucht. Die Gedenktafel von 2012 nennt etwa 50 Menschen zwischen dem 22. und 27. März; nach einem Bericht im vorwärts von 2012 war der Tunnel am 22. März fertig und bis zum 24. März waren etwa 55 Menschen geflüchtet. Der West-Berliner Polizei gaben die Fluchthelfer 1962 an, in den vorangegangenen zwei Wochen rund 30 Personen durchgeschleust zu haben.
  2. Philipp Held 1942–1962

    Todesdatum
    Das Forschungsprojekt nennt kein genaues Todesdatum: Er verschwand am 8. April 1962, und als seine Leiche am 22. April geborgen wurde, hatte sie etwa zehn Tage im Wasser gelegen. Ein Bericht des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen von 1962 nennt den Zeitraum zwischen dem 8. und dem 11. April 1962. Sein Kreuz in der Gedenkstätte der Weißen Kreuze am Reichstag nennt den 11. April 1962; eine Aufstellung der Kreuze, die vor 1990 in der Paul-Löbe-Straße standen, verzeichnet April 1962.
  3. Klaus Brueske 1938–1962

    Jahr des Urteils gegen den Grenzposten
    Seine Biografie in der Chronik der Mauer datiert die Verurteilung des Grenzpostens im Text auf April 1994, die Fußnote zu diesem Satz nennt jedoch ein Urteil des Landgerichts Berlin vom 24. April 1998. Das Urteil selbst wurde nicht eingesehen.
    Die Schüsse auf den Lkw
    Die vom Forschungsprojekt ausgewerteten DDR-Unterlagen nennen zwei gezielte Feuerstöße eines Postens, insgesamt 14 Schuss; die West-Berliner Polizei meldete zwei MP-Salven und mehrere Einzelschüsse.
  4. Peter Böhme 1942–1962

    Datum der Fahnenflucht
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts nahmen die beiden Offiziersschüler die Pistolen in der Nacht vom 16. auf den 17. April 1962 an sich und hielten sich einen Tag lang in Potsdam versteckt, ehe sie zur Grenze gingen. Zwei DDR-Berichte vom April 1962 setzen die Fahnenflucht früher an, auf den 16. April: Nach dem Abschlussbericht des Verteidigungsministeriums verließen sie die Kaserne mit den Waffen an diesem Tag gegen 7.30 Uhr und blieben bis zum 18. April im Raum Potsdam; nach einem Bericht der dort an der Grenze eingesetzten Bereitschaftspolizei ging die Fahndung am 16. April um 15.20 Uhr ein. Übereinstimmend fiel der Schusswechsel in den frühen Morgenstunden des 18. April.
  5. Horst Frank 1942–1962

    Wie es zu den Schüssen kam
    Der Grenzrapport der DDR-Grenzpolizei vom 30. April 1962 gibt an, er sei nach Überwinden des zweiten Zauns angerufen worden, habe die Flucht fortgesetzt und sei dann mit sieben Zielschüssen beschossen worden. Seine Biografie in der Chronik der Mauer stützt sich auf die Anklageschrift von 1994: Danach eröffneten zwei Grenzer aus 20 Metern das Feuer auf den am Boden Liegenden, ein dritter schoss, als er sich bereits im Stacheldraht verfangen hatte. Der Rapport, so die Biografie, lasse kaum erahnen, was tatsächlich geschah.
  6. Peter Göring 1940–1962

    Ort des Staatsbegräbnisses
    Seine Biografie in der Chronik der Mauer verortet das Staatsbegräbnis im sächsischen Luchau, wo er laut DDR-Unterlagen zuletzt wohnte. Eine Reportage der taz von 2001 vom Friedhof nennt sein Grab auf dem evangelischen Friedhof in Glashütte, wo der Grabstein von 1962 noch stand. Dieses Profil folgt der taz.
    Zahl der Schüsse auf den Flüchtling
    Die DDR-Ermittler zählten 1962 insgesamt 121 Schüsse auf den schwimmenden Jungen. Berichte über den Prozess 2002 nennen 141 Schüsse bzw. „mehr als 100“ mit acht Treffern. Das Profil nennt keine Zahl.
  7. Lutz Haberlandt 1938–1962

    Tod vor oder nach dem Abtransport
    Laut Forschungsprojekt war er vermutlich schon tot, als er endlich abtransportiert wurde. Nach dem Stasi-Bericht vom folgenden Tag wurde er gegen 17.15 Uhr in das Volkspolizei-Krankenhaus gebracht und starb dort an seiner Verletzung; auch eine westdeutsche Agenturmeldung vom 28. Mai 1962 gab an, er sei im Krankenhaus gestorben.
  8. Axel Hannemann 1945–1962

    Entfernung zum West-Berliner Ufer beim Treffer
    Laut seiner Biografie in der Chronik der Mauer wurde er wenige Meter vor seinem Ziel tödlich getroffen. Das Gericht, das einen der Grenzposten verurteilte, stellte fest, dass er bis zur Grenze noch 120 bis 130 Meter zu schwimmen hatte; der Bericht der DDR-Grenzpolizei vom selben Tag verortet ihn etwa zehn Meter vor der östlichen Anlegestelle. Dieses Profil folgt dem Gericht.
    Zahl der Treffer
    Laut seiner Biografie in der Chronik der Mauer ließ sich bei der Obduktion nicht sicher feststellen, wie viele Kugeln ihn trafen. Das Gericht stellte fest, dass ihn nur ein Schuss traf: der dritte gezielte Schuss des Postenführers, der ihn tödlich am Kopf traf.
    Geschehen auf dem Lastkahn
    Seine Biografie in der Chronik der Mauer schildert ein Handgemenge mit dem Schiffer, bevor er in den Fluss sprang. Laut Bericht der DDR-Grenzpolizei vom selben Tag versuchte er zunächst, den Schiffer zum Weiterfahren zu überreden, sprang ins Wasser, wurde vom Schiffer herausgezogen, riss sich los und sprang erneut.
  9. Wolfgang Glöde 1949–1962

    Wie die Eltern von dem Schuss erfuhren
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts eilten die Eltern, vom Schuss aufgeschreckt, an den Unglücksort. Der Bericht der Grenzabteilung vom 11. Juni 1962 hält fest, dass einer der Jungen, die bei ihm waren, die 50 Meter entfernt wohnenden Eltern kurz nach dem Vorfall verständigte.
    Wann der Tod eintrat
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts starb er wenig später. Der Bericht der Grenzpolizei vom 11. Juni 1962 gibt an, der Tod sei nach dem Befund des Arztes vom Dienst aller Wahrscheinlichkeit nach unmittelbar nach der Verletzung eingetreten. Eine West-Berliner Schlagzeile vom 16. Juni 1962, entstanden unter der falschen Annahme eines Fluchtversuchs, sprach von einer Stunde Todeskampf.
    Die Jungen, die bei ihm waren
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts war er mit zwei gleichaltrigen Nachbarskindern unterwegs. Der Bericht der Grenzpolizei vom 11. Juni 1962 nennt als Zeugen zwei Jungen im Alter von 13 und 11 Jahren, einen davon mit anderem Vornamen.
  10. Reinhold Huhn 1942–1962

    Wer den tödlichen Schuss abgab (Darstellungen von 1962)
    1962 gab der Fluchthelfer gegenüber der West-Berliner Polizei an, er habe den Posten nur geschlagen, tödlich getroffen habe ihn der zweite Grenzsoldat; die Ereignismeldung der West-Berliner Polizei vom selben Abend vermutete, ein Grenzpolizist sei von den eigenen Schüssen getroffen worden. In der Hauptverhandlung des im April 1999 abgeschlossenen Prozesses gestand er, den tödlichen Schuss abgegeben zu haben; die Gerichte stellten dies fest.
    Ob der Posten mit der Waffe drohte
    Das Landgericht Berlin stellte 1999 fest, Reinhold Huhn habe seine Maschinenpistole vor der Brust gehalten, ohne sie auf die Personen zu richten oder mit ihrem Einsatz zu drohen; die höheren Instanzen bestätigten dies. Ein Zeitungsbericht von 2018, der auf den Erinnerungen des Fluchthelfers beruht, schildert, der Posten habe mit Schießen gedroht und seine Waffe gehoben.
    Wohnort
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts fand seine Familie in Adorf im Vogtland eine neue Bleibe, wo er auch beigesetzt wurde; die Meldung der Grenzpolizei vom 18. Juni 1962 nennt als Wohnort Niederdorf im Kreis Stollberg.
    Die geflüchteten Angehörigen
    Die Biografie des Forschungsprojekts und die Meldung der West-Berliner Polizei sprechen von zwei Frauen und zwei Kindern, die Meldung der DDR-Grenzpolizei von zwei Frauen und einem Kind.
    Datum des BGH-Urteils
    Die Biografie des Forschungsprojekts und das Bundesverfassungsgericht datieren das BGH-Urteil (5 StR 629/99) auf den 5. Juli 2000; die Veröffentlichung bei HRRS nennt den 6. Juli 2000.
  11. Siegfried Noffke 1939–1962

    Wo sich Siegfried Noffke befand, als geschossen wurde
    Die Biografie des Forschungsprojekts und der MfS-Schlussbericht sagen, die beiden Tunnelbauer hätten den Keller bereits betreten, als geschossen wurde. Der Überlebende Dieter Hötger sagte 2008 und 2022, Siegfried Noffke habe noch halb im Tunnelausstieg gesteckt.
    Wann Siegfried Noffke starb
    Laut Stasi-Unterlagen wurde Siegfried Noffke nach den Schüssen noch vernommen und starb auf dem Transport ins Haftkrankenhaus; die Biografie des Forschungsprojekts gibt dies mit »soll« wieder. Der selbst schwer verletzte Überlebende sagte 2022 einer Zeitung, sein Freund sei sofort tot gewesen.
    Länge des Tunnels
    Laut Stasi-Akten war der fertige Tunnel 32 Meter lang; die Tafel des Berliner Unterwelten e.V. nennt rund 30 Meter, ein Zeitungsbericht von 2022 35 Meter.
    Was mit seinem Leichnam geschah
    Die Bilanz des Forschungsprojekts von 2017 hält fest, dass der Verbleib des Leichnams von Siegfried Noffke nicht aufgeklärt werden konnte. Die erneuerte Tafel des Berliner Unterwelten e.V. (2022) gibt ohne Quellenangabe an, das MfS habe seinen Leichnam einäschern lassen und er habe kein Grab bekommen. Die Fassung der Tafel von 2009 enthielt diese Angabe nicht.
    Ob die Kellertür vor den Schüssen geöffnet wurde
    Der MfS-Bericht vom 28. Juni 1962 und der überlebende Tunnelbauer beschreiben, dass die Kellertür vor den Schüssen geöffnet wurde, ebenso der Haupttext der Tafel des Berliner Unterwelten e.V. Eine Bildunterschrift auf derselben Tafel deutet ein MfS-Tatortfoto dagegen so, dass von außen durch die noch nicht geöffnete Kellertür geschossen wurde.
  12. Peter Fechter 1944–1962

    Wo und wie er getroffen wurde
    Die Darstellungen, wie er getroffen wurde, weichen voneinander ab. Der Bericht der 1. Grenzbrigade vom selben Tag gibt an, er sei beim Anspringen an die Mauer getroffen worden, zurückgerutscht und habe hinter der Mauerverstärkung gestanden, bis weitere Feuerstöße ihn niederstreckten; die Funkmeldung der West-Berliner Polizei spricht von einem Treffer beim Übersteigen. Sein Begleiter sagte, er sei gar nicht geklettert. Das Landgericht Berlin stellte 1997 anhand des Obduktionsprotokolls fest, dass ihn höchstwahrscheinlich ein einziges Geschoss traf, als er im Winkel von Mauer und Querverstrebung Deckung suchte.
    Seine Verletzungen
    Presseberichte von 1962 sprachen von zwei Lungenschüssen und einem Bauchschuss. Das vor dem Prozess 1997 aufgefundene Obduktionsprotokoll ergab nach den Ausführungen vor Gericht einen einzigen Beckendurchschuss, der Vene und Arterie aufriss.
    Ob gewarnt wurde
    Das Forschungsprojekt, gestützt auf Grenztruppen-Akten, und sein Begleiter geben an, die beiden seien ohne Vorwarnung beschossen worden. Der Bericht der Grenzbrigade vom 17. August 1962 behauptet, ein Postenführer habe sie zum Stehenbleiben aufgefordert und einen Warnfeuerstoß abgegeben; zugleich heißt es dort, der andere Posten habe sofort das Feuer eröffnet.
  13. Hans-Dieter Wesa 1943–1962

    Wo er sich befand, als er entdeckt wurde
    Ein Stasi-Bericht vom 24. August 1962 belegt, dass er sich bereits auf West-Berliner Gebiet befand, als der Posten ihn entdeckte; die Ermittlungen der West-Berliner Polizei ergaben, dass er dort erschossen wurde. Andere Militär- und Stasi-Berichte der DDR behaupteten, er sei erst im Begriff gewesen, den Zaun zu übersteigen; das Forschungsprojekt wertet dies als Verschleierung.
    Zahl der Schüsse
    Nach der eigenen Darstellung des Schützen in seinem handschriftlichen Bericht vom 23. August 1962 gab er zwei Feuerstöße von etwa sechs Schuss ab; auch die Stasi-Information für Erich Honecker vom folgenden Tag beschreibt zwei Feuerstöße. Die West-Berliner Polizei, deren Grenzposten die Schüsse hörte, verzeichnete in ihrem Funkspruch vom 23. August 1962 und in ihrem Monatsbericht für August 1962 drei Feuerstöße mit insgesamt etwa 30 Schuss. Das Profil gibt die Angabe des Schützen wieder und weist sie ihm zu.
    Ob er sofort tot war
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts war er vermutlich sofort tot. Nach dem Funkspruch der West-Berliner Polizei vom 23. August 1962 und ihrem Monatsbericht für August 1962 lebte er noch, als Polizeibeamte ihn erreichten; ein Arzt im Jüdischen Krankenhaus, in das ihn die Feuerwehr brachte, stellte fest, dass er bereits gestorben war. Dieses Profil folgt den Polizeiunterlagen.
  14. Ernst Mundt 1921–1962

    Wo er starb
    Nach dem Forschungsprojekt war er sofort tot. Die MfS-Information für Erich Honecker vom folgenden Tag spricht von einer schweren Verletzung durch einen gezielten Kopfschuss; er sei an den Folgen im VP-Krankenhaus verstorben, wohin er nach der Bergung gegen 14.35 Uhr gebracht wurde. Die nach dem Mauerfall am Ort aufgestellte Tafel sagte, Hilfsaktionen von West-Berliner Seite hätten den Schwerverletzten nicht erreicht, er sei verblutet; die heutige Stele sagt nur, dass er tödlich in den Kopf getroffen von der Mauer fiel.
  15. Günter Seling 1940–1962

    Ob gezielt geschossen wurde
    Zwei überlieferte DDR-Berichte weichen voneinander ab. Laut Bericht der 2. Grenzbrigade an Erich Honecker vom 1. Oktober 1962 löste sich beim Durchladen eine Feuergarbe von vier Schuss. Die Meldung der Stadtkommandantur vom Vortag gibt an, der Soldat habe ohne Anruf oder Warnschuss auf ein Geräusch hin vier Schuss Dauerfeuer abgegeben; nach Einschätzung des Forschungsprojekts legt dies nahe, dass er gezielt schoss.
    Tag der Schüsse
    Die DDR-Berichte datieren die Schüsse auf den 29. September 1962 gegen 5 Uhr. Der Tagesspiegel schrieb am 11. Oktober 1962 unter Berufung auf das Informationsbüro West, er sei in den frühen Morgenstunden des Dienstags der Vorwoche erschossen worden, also am 2. Oktober.
  16. Horst Plischke 1939–1962

    Geburtsort
    Die deutsche Biografie nennt als Geburtsort Braunau, die englische Fassung derselben Biografie Bernau, offenbar ein Übersetzungsfehler. Dieses Profil folgt dem deutschen Original. Welches Braunau gemeint ist, geht aus der Quelle nicht hervor.
  17. Otfried Reck 1944–1962

    Geburtsdatum
    Die Biografie des Forschungsprojekts ist in sich widersprüchlich: Die Kopfzeile nennt den 14. Dezember 1944 als Geburtsdatum, der Text gibt November 1944 an. Die englische Fassung wiederholt beides. Das am Tag der Schüsse verfasste Protokoll der Ost-Berliner Volkspolizei nennt den 14. Dezember 1944.
    Wo die Schüsse trafen
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts traf ihn beim Weglaufen eine Kugel in den Rücken. Nach dem noch am Abend der Schüsse verfassten Protokoll der Ost-Berliner Volkspolizei wurde er mit zwei Schüssen in die Brust ins Volkspolizei-Krankenhaus gebracht. Ein Obduktionsbefund wurde nicht eingesehen.
  18. Günter Wiedenhöft 1942–1962

    Todestag und Todeszeit
    Er begab sich gegen Mitternacht aufs Eis; sein Todestag lässt sich daher nicht sicher bestimmen, und laut Forschungsprojekt widersprechen sich die Quellen zur Uhrzeit. Nach einer Meldung über die Bergung der Leiche war seine Armbanduhr um 0.14 Uhr stehen geblieben, was auf den 6. Dezember 1962 hindeutet.

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1963 7 Personen, 18 Widersprüche

  1. Hans Räwel 1941–1963

    Datum der Anklage
    Die Biografie des Forschungsprojekts nennt im Text April 1994 als Zeitpunkt der Anklage gegen die drei ehemaligen Grenzsoldaten; die in der Fußnote zitierte Anklageschrift ist jedoch auf den 13. April 1995 datiert.
    Wo er Silvester verbrachte
    Nach der Aussage seiner Begleiterin bei der Polizei 1993, wie sie die Biografie des Forschungsprojekts wiedergibt, verbrachten sie die Nacht im Vergnügungslokal „Plänterwald“ in Treptow. Die in derselben Biografie zitierten Aufzeichnungen der Mutter nennen dagegen „Zenner, Nähe Oberbaumbrücke“. Das Profil folgt der Aussage der Begleiterin und gibt auch die Aufzeichnungen der Mutter wieder.
    Wo er entdeckt wurde
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts entdeckte ihn die Bootsbesatzung, kaum dass er im Wasser war; der Stasi-Bericht vom selben Tag gibt an, er sei etwa 50 Meter vom Ost-Berliner Ufer entfernt schwimmend festgestellt worden.
    Todesursache
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts wurde er tödlich getroffen und versank. Nach dem DDR-Bericht über die äußere Leichenschau hatte er eine Schusswunde an der Halsschlagader, die „vermutlich“ zum Tod führte. Eine dpa-Meldung zum Urteil von 1996 schreibt, er sei am Hals getroffen worden und ertrunken.
  2. Horst Kutscher 1931–1963

    Was geschah, als die Schüsse fielen
    Die Chronik der Mauer schreibt nach der Aussage seines Begleiters bei der Ost-Berliner Volkspolizei vom 15. Januar 1963, es seien plötzlich zwei Schüsse gefallen, während die beiden auf die Grenze zukrochen, und beide hätten sich zu Boden geworfen. Die Berichte der Grenztruppen und der Stasi vom selben Tag geben an, der Postenführer habe zuerst einen Warnschuss abgegeben, die beiden seien daraufhin aufgesprungen und zur Grenze gelaufen, und erst dann sei ein gezielter Schuss gefallen. Ob die Männer vor dem Warnschuss angerufen wurden, schildern die beiden Berichte unterschiedlich.
  3. Peter Kreitlow 1943–1963

    Warum die Soldaten schossen
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts bleibt offen, wann die sowjetischen Soldaten die Gruppe entdeckten und warum sie etwa 2000 Meter vor den Grenzanlagen das Feuer eröffneten. Ein Stasi-Bericht vom 25. Januar 1963, der auch an Walter Ulbricht und Erich Honecker ging, gibt an, die sowjetische Streife habe von der Schusswaffe Gebrauch gemacht, weil sich die Jugendlichen der Festnahme entziehen wollten. Die Biografie hält fest, dass Grenztruppenführung und Staatssicherheit, statt das Verhalten der Soldaten zu untersuchen, in ihren Berichten die Berechtigung der Schüsse nicht in Zweifel zogen.
    Wer schoss und wie oft er getroffen wurde
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts, die sich auf den Tatortbefundbericht der Volkspolizei Oranienburg stützt, eröffneten die beiden sowjetischen Soldaten das Feuer, und er wurde mehrfach getroffen, darunter am Kopf. Der Bericht der Grenztruppen vom 24. Januar 1963 und der Stasi-Bericht vom folgenden Tag geben dagegen an, einer der Soldaten habe zwei Schüsse abgegeben; laut Stasi-Bericht traf ihn einer tödlich am Kopf, der andere verletzte einen seiner Begleiter leicht.
  4. Klaus Schröter 1940–1963

    Datum des Fluchtversuchs
    Die Biografie des Forschungsprojekts gibt an, er sei am Morgen des 3. November 1963 vor Sonnenaufgang aufgebrochen; ihre Kopfzeile und der dort zitierte Bericht des Grenzregiments nennen jedoch den 4. November. Die Funksprüche der West-Berliner Polizei sowie zwei DDR-Berichte, des Stadtkommandanten und des MfS, datieren die Schüsse übereinstimmend auf den 4. November gegen 4 Uhr; laut MfS-Bericht nennt die Sterbeurkunde den 4. November, 4.30 Uhr, als Todeszeit. Eine Broschüre der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Sachsen-Anhalt von 2001 lässt ihn, gestützt auf das Urteil von 1994, den Abend des 3. November bei einem Freund verbringen und am Morgen des 4. November den Zaun durchschneiden. Das Profil nennt nur das Todesdatum.
    Anruf und Warnschuss vor dem Feuer
    Laut Forschungsprojekt, das sich auf den Bericht des Grenzregiments stützt, eröffneten der Posten auf dem Wachturm und zwei weitere Grenzer das Feuer, sobald sie ihn wegtauchen sahen. Der Bericht des Ost-Berliner Stadtkommandanten an Erich Honecker und ein MfS-Bericht geben an, er habe Aufforderungen, zurückzukommen bzw. an Land zu schwimmen, nicht befolgt, und nach einem Warnschuss sei das Feuer eröffnet worden; der Bericht des Stadtkommandanten spricht von Zielschüssen.
    Wer von den Fluchtplänen wusste
    Laut Forschungsprojekt war niemand in die konkreten Vorbereitungen eingeweiht. Nach der Erinnerung des Pfarrers, der die Trauerfeier hielt, wiedergegeben in einer Broschüre der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen in Sachsen-Anhalt von 2001, sagte ihm die Mutter vor der Beisetzung, sie habe von den Vorbereitungen und auch vom Taucheranzug gewusst; ihr Sohn habe am 3. November bei ihr angerufen und durchblicken lassen, er werde seinen Plan nun ausführen.
  5. Dietmar Schulz 1939–1963

    Wie er auf die Gleise gelangte und wie er starb
    Eine Meldung der Ost-Berliner Stadtkommandantur vom 26. November 1963 besagt, um 21.20 Uhr sei südlich der Maximilianstraße ein Mann aus einer fahrenden S-Bahn gesprungen. Die Transportpolizei kam zu dem Ergebnis, er sei zu Fuß zum Bahndamm gegangen und unter ungeklärten Umständen überrollt worden, und verbuchte einen „persönlichen Unfall“. Seine Verlobte war überzeugt, er sei erschossen worden, und ein vom Museum Haus am Checkpoint Charlie aufgestelltes Gedenkkreuz an der Ecke Bernauer Straße/Gartenstraße gibt an, er sei bei einem Fluchtversuch im sogenannten Nassen Dreieck von DDR-Grenzsoldaten beschossen worden und seinen Verletzungen erlegen; die Ermittlungen der Berliner Staatsanwaltschaft 1991/92 bestätigten nicht, dass Grenzsoldaten Gewalt gegen ihn angewendet hatten.
  6. Dieter Berger 1939–1963

    Wer schoss
    Arbeiter des West-Berliner Eternit-Werks auf der anderen Kanalseite sahen nach der in der Biografie des Forschungsprojekts zusammengefassten Meldung der West-Berliner Polizei, wie die beiden Grenzer ihn niederschossen. Das Landgericht Berlin sah es 1995 nicht als erwiesen an, dass der Postenführer geschossen oder zum Schießen aufgefordert hatte, und sprach ihn frei.
    Geschehen nach dem Heben der Hände
    Nach einem Vermerk der West-Berliner Polizei, gestützt auf Meldungen von Arbeitern der Eternit-Werke, wurde er mit erhobenen Armen abgeführt und nach etwa 20 Metern von hinten niedergeschossen. Der Ost-Berliner Stadtkommandant meldete Erich Honecker, er habe, ermutigt durch die über den Kanal rufenden West-Berliner Arbeiter, die Hände heruntergenommen, in die Hosentaschen gefasst, sich hinter einen Betonpfahl gestellt und versucht, ins Hinterland zu flüchten. Eine West-Berliner Zeitung schrieb tags darauf, die Grenzer hätten einen Flüchtling niedergeschossen, den sie mit erhobenen Händen vor sich hergetrieben hätten.
    Zeitpunkt des Geschehens
    Der Bericht des Ost-Berliner Stadtkommandanten nennt etwa 15.10 Uhr für die Festnahme nach einem Schuss; der Vermerk der West-Berliner Polizei etwa 15.35 Uhr für den Moment, in dem die Posten ihn am Zaun stellten, bevor er abgeführt und niedergeschossen wurde; der Telegraf datierte die Schüsse auf kurz nach 15.30 Uhr. Nach dem Forschungsprojekt sahen die Posten ihn gegen 15.00 Uhr erstmals.
  7. Paul Schultz 1945–1963

    Geburtsdatum
    Die Biografie des Forschungsprojekts und die Meldung der West-Berliner Polizei vom 26. Dezember 1963 nennen den 2. Oktober 1945 als Geburtsdatum; ein Stasi-Bericht vom 28. Dezember 1963 nennt den 22. Oktober 1945. Das Profil folgt der Biografie.
    Warnschuss und Zahl der Schüsse
    Nach Aussage seines Begleiters riefen die Grenzer „Halt“ und schossen sofort scharf. Laut Stasi-Bericht fiel zuerst ein Warnschuss, dann sieben Pistolenschüsse und fünf Einzelschüsse aus der MPi aus etwa 40 Metern. Die West-Berliner Polizei meldete etwa acht bis zehn Schüsse aus einer MP.
    Ob die Grenzer sie vorher bemerkt hatten
    Die Biografie des Forschungsprojekts fasst die DDR-Akten so zusammen, dass sich ausgerechnet beim Betreten des Sperrstreifens eine Streife in der Nähe befand. Der erste Stasi-Bericht gibt dagegen an, der Zugführer habe die beiden schon beim Beobachten der Grenzanlagen bemerkt, sei wegen des Passantenverkehrs aber weitergegangen; laut der Edition ist dieser Absatz in der Aktenkopie mit Rotstift gestrichen.
    Welcher Sender die Familie informierte
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts erfuhren Mutter und Brüder über den RIAS von seinem Tod; ein Stasi-Bericht vom 28. Dezember 1963 gibt an, ein Bruder habe der Polizei gesagt, er habe es um 20 Uhr im Sender Freies Berlin gehört.

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1964 5 Personen, 9 Widersprüche

  1. Adolf Philipp 1943–1964

    Straße des Gedenkkreuzes
    Zwei Angaben der Biografie des Forschungsprojekts weichen voneinander ab: Die Bildunterschrift eines Polizeifotos von 1966 verortet das Gedenkkreuz am Finkenkruger Weg, während das Kreuz laut Text dort errichtet wurde, wo er sein Fahrrad liegen ließ, und eine andere Bildunterschrift diesen Ort mit dem Oberjägerweg im Spandauer Forst angibt. Möglicherweise ist derselbe Ort nahe einer Einmündung gemeint; eine Prüfung vor Ort steht aus.
    Ort der Schüsse
    Das Forschungsprojekt verortet die Schüsse zwischen Spandau und Falkenhagen im Kreis Nauen. Der interne Stasi-Bericht vom 5. Mai 1964 an die DDR-Führung nennt wie die öffentlichen DDR-Meldungen den Abschnitt Neustaaken im Kreis Nauen; der West-Berliner Senat wies im Mai 1964 darauf hin, dass sein Fahrrad etwa sechs Kilometer von Neu-Staaken entfernt gefunden worden war. Ob die Abschnittsbezeichnung im internen Bericht den genauen Ort meint, ist offen.
  2. Norbert Wolscht 1943–1964

    Wer seinen Leichnam barg
    Nach der Chronik der Mauer zogen Angehörige des Grenzregiments 48 seinen Leichnam am Vormittag des 28. Juli 1964 aus dem Fluss. Die Tagesmeldung der Ost-Berliner Stadtkommandantur für diesen Tag, eine der von der Chronik angeführten Quellen, hält dagegen fest, ein Angler habe den Toten um 11.20 Uhr in der Havel entdeckt; sowjetische Soldaten in der Nähe hätten ihn ans Ufer gebracht und der Potsdamer Volkspolizei übergeben.
  3. Hildegard Trabant 1927–1964

    Art der Schussverletzung
    Die Biografie des Forschungsprojekts spricht von einem gezielten Schuss in den Rücken der Weglaufenden; der noch am selben Abend verfasste Bericht des Grenzregiments vermerkt als Art der Verletzung einen Bauchschuss. Beides schließt sich nicht notwendig aus; ein Obduktionsbefund liegt nicht vor.
    Beruf
    Die Biografie des Forschungsprojekts nennt, gestützt auf Stasi-Berichte, eine leitende Funktion bei der Kommunalen Wohnungsverwaltung Friedrichshain; der am Abend ihres Todes verfasste Bericht des Grenzregiments gibt als Beruf »Sekretärin« an, die Arbeitsstelle sei nicht bekannt. Das Profil folgt dem Forschungsprojekt.
  4. Egon Schultz 1943–1964

    Zahl der Treffer
    Die Biografie des Forschungsprojekts (gestützt auf den Obduktionsbericht von 1964) und Der Spiegel (2017) nennen zehn Treffer: einen aus der Pistole des Fluchthelfers und neun weitere, überwiegend aus einer Kalaschnikow. Eine 2014 von der Welt referierte kriminaltechnische Rekonstruktion beschreibt nach dem Pistolenschuss eine Salve mit drei und eine weitere mit fünf Kalaschnikow-Treffern.
    Treffer aus der Pistole des Fluchthelfers
    Die Biografie des Forschungsprojekts und Der Spiegel (2017), beide unter Berufung auf die Obduktion, sprechen von einem Lungensteckschuss; Die Welt (2014) von einer Verletzung an der linken Schulter. Einig sind sich alle, dass dieser Treffer nicht tödlich war.
    Zeitpunkt und Ablauf der Schüsse
    Die Darstellungen der Nacht unterscheiden sich im Einzelnen. Die Biografie des Forschungsprojekts setzt die Rückkehr der Stasi-Leute mit den Grenzsoldaten gegen 0.30 Uhr an und stellt, gestützt auf die Ermittlungen der 1990er Jahre, fest, dass ein Fluchthelfer zuerst schoss. Eine mit einem ADN-Foto verbreitete Mitteilung des DDR-Verteidigungsministeriums nannte etwa 0.15 Uhr. Der offene Brief der Fluchthelfer vom Dezember 1964 spricht von einem Warnschuss, auf den der Uniformierte sofort das Feuer eröffnet habe; nach einer 2014 von der Welt referierten Rekonstruktion fielen der Schuss des Fluchthelfers und der Feuerbefehl zeitgleich.
  5. Joachim Mehr 1945–1964

    Ob die beiden beim letzten Feuerstoß noch versuchten, durch den Zaun zu gelangen
    Nach der Darstellung des Forschungsprojekts stellte das Landgericht Potsdam 1994 fest, dass sich die beiden Verletzten darauf verständigt hatten aufzugeben und im Stacheldraht festhingen, als der Unteroffizier auf Joachim Mehr schoss, weil dieser sich bewegte; das Forschungsprojekt schreibt zudem, einer der beiden habe den Zollbeamten gerade bedeutet, dass sie verletzt seien und die Flucht abbrechen müssten, als erneut geschossen wurde. Die beiden auf den 3. Dezember 1964 datierten Berichte schildern die letzten Schüsse anders: Den DDR-Grenztruppen zufolge versuchte einer der beiden, weiter zur Sperre zu kriechen; der West-Berliner Polizei zufolge, die sich auf Beobachtungen des Zolls von westlicher Seite stützte, wurde ein erneuter Versuch der beiden, die der Bericht für Soldaten in Uniform hielt, unter dem Zaun hindurchzukriechen, durch einen dritten Feuerstoß vereitelt.

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1965 8 Personen, 26 Widersprüche

  1. Christian Buttkus 1944–1965

    Datum der Strafaussetzung für die Verlobte
    Die Biografie des Forschungsprojekts datiert die Aussetzung der Reststrafe der Verlobten auf den 11. November 1965, ihre Fußnote verweist jedoch auf einen Beschluss des Bezirksgerichts Potsdam vom 29.11.1967. Das Datum 1965 passt zu einer im März 1965 begonnenen Strafe von einem Jahr und acht Monaten; die Fußnote enthält möglicherweise einen Druckfehler.
    Ob das Postenpaar Warnschüsse abgab
    Die Biografie des Forschungsprojekts schildert gestützt auf das Urteil des Landgerichts Potsdam von 1994, das Postenpaar habe Warnschüsse abgegeben, während die Soldaten der Kontrollstreife gezielt auf das Paar schossen. Der noch am Tattag verfasste Abschlussbericht der Stasi besagt, beide Posten hätten sofort das Feuer auf das Paar eröffnet, und rechnet ihre Schüsse zu den 199, die alle vier Soldaten abgaben. Die Stasi-Information an Erich Honecker vom 8. März 1965 bezeichnet die ersten Feuerstöße der Posten aus ihren Maschinenpistolen als Warnschüsse, schreibt dann aber, die Posten hätten aus 80 bis 100 Metern auf das Paar geschossen, während die Kontrollstreife die Verfolgung aufnahm.
    Wann das Paar die Flucht beschloss
    Die Biografie des Forschungsprojekts stützt sich auf einen späteren Stasi-Bericht und eine handschriftliche Stellungnahme der Verlobten in ihrer Gerichtsakte; danach planten die beiden seit ihrer Verlobung im April 1964 gemeinsam die Flucht und bauten Tauchgeräte für eine Flucht durch den Teltowkanal. Nach der Stasi-Information an Erich Honecker vom 8. März 1965 gab die Verlobte an, er habe sich erst nach der Musterung am 24. Februar 1965 zur Flucht entschlossen, Absprachen über eine gemeinsame Flucht habe es nicht gegeben, und erst am Abend des 3. März habe er ihr den Grenzdurchbruch vorgeschlagen.
  2. Ulrich Krzemien 1940–1965

    Sterbedatum
    Die der Mutter ausgehändigte Sterbeurkunde nennt den 25. März 1965, die Nacht, in der der Schwimmer unterging; der Obduktionsbericht datiert den Tod, offenbar nach Angaben der Stasi, auf den 31. März 1965. Dieses Profil folgt dem 25. März.
    Todesort und -umstände nach Auskunft an die Schwester
    Nach den DDR-Unterlagen, denen die Berliner Ermittler in den 1990er Jahren folgten, ertrank der Schwimmer in der Spree nahe dem Osthafen; eine Leiche mit seinem Personalausweis wurde am 13. April 1965 zwischen Brommy- und Schillingbrücke gefunden. Gestützt auf die Obduktion von 1965 fanden die Ermittler keine Hinweise auf Gewalt. Seine Schwester gab 1990 an, ein angeblicher DDR-Staatsanwalt habe ihr 1965 mitgeteilt, er sei nahe der Massantebrücke erschossen und am 15. April aus dem Teltowkanal geborgen worden.
  3. Peter Hauptmann 1939–1965

    Einschussstellen
    Ein Stasi-Bericht, der sich auf ärztliche Angaben stützt, nennt sechs Treffer, darunter einen tödlichen Rückenschuss; auch der Witwe bestätigten Ärzte nach ihrer Aussage einen Rückenschuss. Ein von der Stasi nach der Anzeige der Witwe angeforderter Befundbericht eines Arztes des Armeelazaretts verortet die Einschüsse dagegen nach Einschätzung seines Verfassers auf der Vorderseite, soll aber ausdrücklich nicht als gerichtliches Gutachten gelten; das Forschungsprojekt hält ihn für möglicherweise beeinflusst.
    Vorname
    Die deutsche Biografie und die Überschriften beider Fassungen nennen ihn Peter Hauptmann; die englischen Bildunterschriften nennen ihn Hans-Peter Hauptmann. Ein Dokument, das den vollständigen Namen belegt, liegt in den ausgewerteten Unterlagen nicht vor.
    Welcher Posten schoss und in welcher Lage
    Das Forschungsprojekt schildert nach den Berichten der Grenztruppen und des Schützen, dass Peter Hauptmann den Lauf der MPi des Postens ergriff, der ihn zum Stehenbleiben aufgefordert hatte, und dass dieser Posten nach einem Gerangel aus wenigen Schritten Entfernung schoss; das 1996 eingestellte Ermittlungsverfahren ging von Notwehr aus. Einer der beiden Seeleute sagte noch am Tag der Schüsse vor der Volkspolizei anders aus. Auf die Frage, welcher Posten seiner Meinung nach geschossen habe, gab er an, nicht der Posten, der ihre Ausweise kontrolliert hatte und dann zu Peter Hauptmann gegangen war, habe geschossen, sondern der zweite, der die Kontrolle sicherte und nach seiner Schätzung etwa sechs Meter von Peter Hauptmann entfernt war. Was Peter Hauptmann und der Posten bei ihm taten, konnte er nach eigener Aussage nicht erkennen; seiner Ansicht nach wollte Peter Hauptmann auf den Posten zugehen und nicht flüchten. Nach eigenen Angaben hatte er getrunken.
  4. Hermann Döbler 1922–1965

    Warnschüsse
    Das Forschungsprojekt schreibt, der Posten habe sofort das Feuer eröffnet. Der Bericht der West-Berliner Polizei vom selben Tag nennt drei Warnschüsse, der Stasi-Bericht einen Warnfeuerstoß hinter das Heck, und nach den vom Bundesgerichtshof wiedergegebenen Feststellungen des Prozesses von 1993 gab der Schütze vor dem gezielten Feuer einen kurzen Warnfeuerstoß hinter das Heck ab.
    Sterbeort
    Das Forschungsprojekt schreibt unter Berufung auf einen Brief von 2016, er sei noch auf dem Boot gestorben. Laut Bericht der West-Berliner Polizei vom selben Tag starb er nach der Einlieferung ins Krankenhaus Wannsee; eine Zeitungsliste von 2006 nennt dort etwa 14.45 Uhr. Die Herausgeber der Stasi-Dokumentenedition schreiben, er sei auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben, und nach den vom Bundesgerichtshof wiedergegebenen Feststellungen des Prozesses von 1993 starb er vor der Einlieferung ins Krankenhaus.
    Straftatbestand der Verurteilung
    Das Forschungsprojekt nennt Mord in Tateinheit mit versuchtem Mord. Eine Agenturmeldung zum Urteil vom November 1993 und das Revisionsurteil des Bundesgerichtshofs von 1995 nennen beide Totschlag und versuchten Totschlag; der Bundesgerichtshof fügt hinzu, dass dies und nicht Mord zutreffend war. Der Widerspruch ist damit zugunsten von Totschlag geklärt.
    Abstand der Grenzlinie zur Wassersperre
    Das Forschungsprojekt verortet die Grenzlinie nach der Aussage von Elke Märtens 100 Meter vor der Wassersperre. Ein Stasi-Bericht über ein US-Patrouillenboot, das fünf Tage später an derselben Stelle die Grenze überfuhr, nennt etwa 50 Meter und hält fest, dass die Grenze auf dem Wasser außer durch ein Schild am West-Berliner Ufer nicht markiert war.
    Alter von Elke Märtens
    Das Forschungsprojekt nennt das Alter seiner Begleiterin mit 21 Jahren, eine Zeitungsliste von 2006 mit 22 Jahren.
    Schreibweise des Geburtsorts
    Das Forschungsprojekt und der West-Berliner Polizeibericht von 1965 nennen als Geburtsort Roderbeck in Pommern; eine Zeitungsliste von 2006 schreibt Rohrbeck.
    Standort des Wachturms
    Das Forschungsprojekt verortet den Wachturm am südlichen Ufer des Teltowkanals. Nach den vom Bundesgerichtshof wiedergegebenen Feststellungen des Prozesses von 1993 gehörte die südliche Hälfte des Kanals zu West-Berlin, und der Turm stand nördlich des Kanals.
    Wie weit das Boot die Grenzlinie überfahren hatte
    Die Quellen nennen unterschiedliche Strecken, die das Boot in DDR-Gewässer gefahren war: nach den vom Bundesgerichtshof wiedergegebenen Feststellungen des Prozesses von 1993 etwa 10 Meter beim Warnfeuerstoß und weitere etwa 5 Meter beim Wenden, nach dem Bericht der West-Berliner Polizei etwa 30 Meter beim Wenden, nach dem Stasi-Bericht etwa 60 Meter.
    Kopfverletzung von Elke Märtens
    Das Forschungsprojekt spricht von einem Streifschuss am Kopf. Nach den vom Bundesgerichtshof wiedergegebenen Feststellungen des Prozesses von 1993 musste zerstörtes Gehirngewebe entfernt werden, und sie verlor ihren Geruchssinn.
  5. Walter Kittel 1942–1965

    Geburtsdatum
    Kopfzeile der Biografie des Forschungsprojekts und Gedenkstele nennen den 21. November 1942, der Text derselben Biografie und eine Zeitungsliste von 2006 den 21. Mai 1942. Im edierten Stasi-Bericht sind Tag und Monat geschwärzt. Das Forschungsprojekt nennt ihn bei seinem Tod 22 Jahre alt, was zum Novemberdatum passt; eine Agenturmeldung von 1992 zum Prozess nennt ihn 23 Jahre alt, was zum Maidatum passen würde.
    Zahl der Schüsse und Entfernung
    Laut Forschungsprojekt gab der Kommandeur aus etwa 15 Metern 30 Schüsse auf ihn ab. Auch die Anklage sprach, wie am ersten Verhandlungstag im November 1992 berichtet, von 30 Schüssen. Nach den vom Bundesgerichtshof 1993 wiedergegebenen Feststellungen des Tatgerichts waren es mindestens drei Feuerstöße mit mindestens 15 Schüssen aus höchstens 20 bis 25 Metern. Ein Stasi-Bericht von 1965 nennt für den gesamten Vorfall etwa 42 Schuss des Kommandeurs, 25 des Gefreiten, der den Posten führte, und drei des anderen Soldaten.
    Vorstrafe
    Das Forschungsprojekt nennt unter Berufung auf das Urteil des Kreisgerichts Nauen vom Mai 1964 neun Monate Gefängnis auf Bewährung wegen verbrecherischer Trunkenheit in Verbindung mit Staatsverleumdung; der Stasi-Bericht vom Oktober 1965 spricht von zwei Jahren mit Bewährung wegen versuchten Grenzdurchbruchs nach 1961.
    Wie die beiden in den Graben gelangten
    Laut Forschungsprojekt hatten sich die beiden ergeben und waren zum Kolonnenweg gekommen, als einer der Posten nach einem Wortwechsel drei gezielte Schüsse in Richtung ihrer Füße abgab; daraufhin suchten sie im Kfz-Sperrgraben Schutz vor dem fortgesetzten Beschuss. Nach den im Urteil des Bundesgerichtshofs von 1993 wiedergegebenen Feststellungen gaben sie nach Sperrfeuer auf, begaben sich auf Befehl des Postenführers in den Graben zurück, und die beiden Posten schossen dann „zur Mahnung“ mehrere Dauerfeuersalven in den Graben, wobei Walter Kittels Begleiter schwer verletzt wurde.
  6. Heinz Cyrus 1936–1965

    Ob er sprang oder stürzte
    Die Berichte der Grenztruppen und der Stasi vom 10. November 1965 sprechen davon, dass er aus dem Flurfenster im vierten Stock in den Hof sprang beziehungsweise sich hinabstürzte. Laut Chronik der Mauer klammerte er sich an der Dachrinne fest und stürzte ab; die Gedenkstele in der Gartenstraße 85 schreibt, er habe sich anscheinend herablassen wollen und den Halt verloren. Das Profil lässt deshalb offen, ob er sprang oder stürzte.
  7. Erich Kühn 1903–1965

    Wie es zu den Schüssen kam
    Der Bericht der Grenztruppen vom 26. November 1965 gibt an, er sei auf Anruf und Warnschuss nicht stehen geblieben und habe versucht, sich durch Flucht zurück durch die Kleingartenanlage „Eintracht“ der Festnahme zu entziehen; daraufhin habe der Posten auf Befehl seines Postenführers gezielte Feuerstöße abgegeben, insgesamt sechs Schuss. Die Chronik der Mauer schreibt unter Berufung auf Presseberichte und das Urteil des Landgerichts Berlin von 1995, die Posten hätten im Dunkeln nicht erkennen können, ob dort ein Flüchtling war, und der Posten habe nach telefonischer Weisung des Zugführers blindlings ins Gebüsch gefeuert. Auch die Gedenktafel an der Kiefholzstraße spricht von einem Versuch, sich der Festnahme zu entziehen.
  8. Heinz Schöneberger 1938–1965

    Sterbeort
    Das Forschungsprojekt schreibt nur, er habe noch West-Berliner Gebiet erreicht und sei wenig später am Blutverlust gestorben. Laut Bericht der West-Berliner Polizei aus derselben Nacht starb er nach der Einlieferung ins Krankenhaus Am Urban in Kreuzberg; der Stasi-Bericht gibt unter Berufung auf westliche Meldungen an, er sei auf dem Transport ins Krankenhaus gestorben.
    Wie die Flucht entdeckt wurde
    Laut Forschungsprojekt mussten die Brüder aussteigen, ein Grenzsoldat entdeckte Monika P. in der Rückenlehne, und Heinz Schöneberger sprang zurück auf den Fahrersitz. Der erste Stasi-Bericht hält fest, er sei zur Intensivkontrollstelle beordert worden, während sein Bruder hinter dem Wagen stand, und habe stattdessen die Richtung zur Grenze eingeschlagen. Westliche Augenzeugen sahen laut West-Berliner Polizei, wie der Wagen plötzlich ausscherte und ein Mann herausgeschleudert wurde.
    Rückkehr in die DDR 1961
    Laut Forschungsprojekt verließ er am 17. Oktober 1961 die Transitautobahn, um seine Frau aus Karl-Marx-Stadt zu holen, und wurde verhaftet, bevor sie eine Flucht vorbereiten konnten. Der Stasi-Bericht vom Dezember 1965 hält fest, er habe die DDR im Juli 1961 illegal verlassen und sei acht Wochen später erneut in die DDR übergesiedelt.

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1966 9 Personen, 17 Widersprüche

  1. Dieter Brandes 1946–1966

    Wer schoss und von wo
    Nach dem Forschungsprojekt, das einem Stasi-Bericht folgt, eröffnete ein Unteroffizier, der die dort eingesetzten Posten kontrollierte, nach Anruf und Warnschuss das Feuer. Nach dem Bericht der West-Berliner Polizei vom 10. Juni 1965 gab ein Anwohner, der von seinem Balkon aus zugesehen hatte, noch am selben Abend an, nach Anruf und Leuchtkugel hätten Soldaten vom nahen Beobachtungsturm, etwa 100 Meter von dem Flüchtenden entfernt, drei bis fünf Einzelschüsse abgegeben. Laut dem Bericht bestätigte ein Ehepaar auf einem anderen Balkon seine Angaben; was es selbst beobachtet hatte, hält der Bericht nicht fest. Wer schoss, wurde nie ermittelt.
  2. Willi Block 1934–1966

    Strafmaß 1963
    Forschungsprojekt und Stasi-Bericht vom 8. Februar 1966 nennen eine im April 1963 wegen Spionage verhängte Strafe von fünf Jahren; ein westdeutsches Fernschreiben vom 11. Februar 1966 spricht von drei Jahren Zuchthaus, nach seiner Darstellung wegen Grenzdurchbruchs.
    Grund der Rückkehr 1962 und Unterbringung
    Laut Forschungsprojekt kehrte er einen Monat nach seiner ersten Flucht zurück, um seine Frau nachzuholen, und kam für sechs Wochen in ein Umschulungs- und Arbeitslager. Ein westdeutsches Fernschreiben vom Februar 1966, das sich auf ein DDR-Urteil von 1962 stützt, nennt als Grund die Bitte seines Vaters und fünf Wochen im Aufnahmeheim Blankenfelde.
    Entfernung der tödlichen Schüsse
    Laut Forschungsprojekt schoss der Regimentskommandeur aus 15 Metern; die vom Bundesgerichtshof wiedergegebenen Feststellungen nennen 15 bis 20 Meter, der Stasi-Bericht vom folgenden Tag etwa 30 bis 35 Meter und gibt an, Kommandeur und Stabschef hätten gezielt geschossen.
  3. Jörg Hartmann 1955–1966

    Wo Jörg starb
    Laut Chronik der Mauer starb Jörg noch am Tatort. Die Meldung des Ost-Berliner Stadtkommandanten vom selben Abend besagt dagegen, beide Jungen seien verletzt ins Volkspolizei-Krankenhaus gebracht worden, einer sei seinen Verletzungen erlegen. Die Gedenkstättendatenbank der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur schreibt in ihrem Eintrag zum Mahnmal in der Kiefholzstraße, Jörg sei im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Nach dem Prozessbericht der Berliner Zeitung von 1997 konnten die Richter den genauen Ablauf nicht mehr klären, da Berichte geschönt worden waren und Unterlagen fehlten.
    Zahl der abgegebenen Schüsse
    Die Chronik der Mauer nennt 40 Schüsse des später verurteilten Grenzsoldaten, der Prozessbericht der Berliner Zeitung von 1997 nennt 42; West-Berliner Zollbeamte zählten in jener Nacht etwa 25 bis 30 Schüsse von zwei Wachtürmen.
    Was der Familie mitgeteilt wurde
    Laut Chronik der Mauer teilte die Ost-Berliner Generalstaatsanwaltschaft der Großmutter mit, Jörg sei ertrunken. Nach Angaben seiner Lehrerin (1997) hieß es zudem, die Leiche sei wegen Seuchengefahr eingeäschert worden; der Focus (2001) schreibt, die Volkspolizei habe die Eltern informiert.
  4. Lothar Schleusener 1953–1966

    War Lothar im Krankenhaus vernehmungsfähig?
    Laut Meldung des Ost-Berliner Stadtkommandanten vom 14. März 1966 starb einer der beiden Jungen, der andere sei im Krankenhaus vernehmungsfähig gewesen. Nach der Chronik der Mauer starb auch Lothar, der angeblich vernehmungsfähig war, noch in derselben Nacht. Die Gedenkstättendatenbank der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur schreibt dagegen in ihrem Eintrag zum Mahnmal in der Kiefholzstraße, Lothar sei sofort gestorben und Jörg erst im Krankenhaus an seinen Verletzungen.
    Zahl der abgegebenen Schüsse
    Die Chronik der Mauer nennt nach der Aussage des Grenzsoldaten von 1996 40 Schüsse, der Prozessbericht der Berliner Zeitung von 1997 42; West-Berliner Zollbeamte zählten etwa 25 bis 30 Schüsse von zwei Wachtürmen.
  5. Willi Marzahn 1944–1966

    Erschossen oder Selbsttötung
    Die Obduzenten nahmen zunächst einen Fernschuss aus einer Kalaschnikow an; nach einer von der Stasi veranlassten zweiten Untersuchung gingen sie von einem absoluten Nahschuss aus der neben ihm liegenden Makarow-Pistole aus. Da der Tatort nicht ordnungsgemäß aufgenommen wurde, lässt die Chronik der Mauer offen, ob er erschossen wurde oder sich selbst tötete.
  6. Eberhard Schulz 1946–1966

    Wie es zu den tödlichen Schüssen kam
    Nach Aussage seines Mitflüchtlings schoss ein Grenzer ohne Anruf und Warnschuss aus der Hüfte. Die Berichte von Grenztruppen und Stasi von 1966 behaupten, er habe in die Jackentasche gegriffen und fliehen wollen; nach dem Stasi-Bericht vom 30. März 1966 hatte der Postenführer zuvor einen Warnschuss und danach einen Warnfeuerstoß abgegeben und gezielt geschossen, als Eberhard Schulz die Hände sinken ließ. Die Chronik der Mauer hält die Version der Grenzer für wenig plausibel; die Staatsanwaltschaft konnte den Widerspruch nach 1990 nicht auflösen.
  7. Michael Kollender 1945–1966

    Zahl der abgegebenen Schüsse
    Ein Stasi-Bericht vom 27. April 1966 nennt 109 Schüsse, ebenso die Chronik der Mauer, die sich dafür auf das Urteil des Landgerichts von 1995 beruft; das Urteil des Bundesgerichtshofs von 1996 nennt 90.
    Verletzungen
    Die Chronik der Mauer spricht unter Berufung auf eine Aussage seines Bruders von 1979 von zwei Kopfdurchschüssen; die Mutter berichtete von über 40 Einschüssen. Ein Stasi-Bericht von 1966 nennt einen Kopf- und einen Wadenschuss, der Bundesgerichtshof einen tödlichen Kopfdurchschuss und zwei Treffer am rechten Bein.
  8. Heinz Schmidt 1919–1966

    Schüsse vor dem Erreichen des Ostufers
    Das Forschungsprojekt stützt sich auf den Schlussbericht der West-Berliner Polizei und die Berliner Morgenpost: Nach einem Warnschuss hätten die Posten das Feuer eröffnet, er sei unter Beschuss zum Ostufer geschwommen. Der Monatsbericht der West-Berliner Schutzpolizei für August 1966 erwähnt bis zu seiner Deckung am Ostufer nur mehrere Warnschüsse und gezieltes Feuer erst, als er zurückzuschwimmen versuchte. Der DDR-Stadtkommandant meldete Erich Honecker, er sei der Aufforderung, ans Ufer zu schwimmen, nicht nachgekommen und habe einen Brückenpfeiler genutzt, um die Posten zu täuschen; daraufhin sei das Feuer eröffnet worden.
  9. Karl-Heinz Kube 1949–1966

    Sein Zustand bei der Bergung
    Laut Abschlussbericht der Grenzbrigade vom 17. Dezember 1966 wurde er leblos aufgefunden. Sein Begleiter beschrieb ihn in einem in Stasi-Haft verfassten Bericht als ohnmächtig und stark blutend; zwei Grenzsoldaten hätten ihn getragen und von einer Mauer hinuntergeworfen.
    Gezieltes Feuer oder Warnschüsse
    Der Bericht der Grenzbrigade von 1966 verzeichnet einen Feuerstoß in Richtung der Flüchtenden und erneutes Feuer, bei dem einer zusammenbrach. 1993 folgte das Bezirksgericht Potsdam der Einlassung der Angeklagten, sie hätten nur Warnschüsse abgegeben.
    Ausgangspunkt der Fahrt
    Laut Chronik der Mauer fuhren die beiden von Ruhlsdorf los; nach dem Bericht der Grenzbrigade vom 17. Dezember 1966, der sich auf die Befragung seines Begleiters stützt, trafen sie sich in der HO-Gaststätte „Stahnsdorfer Hof“ und fuhren von dort ab.

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1967 2 Personen, 7 Widersprüche

  1. Max Sahmland 1929–1967

    Wollte die Mutter eine Überführung nach Ost-Berlin?
    Die Briefe der Mutter an ihre Schwester legen nahe, dass sie über die Möglichkeit einer Überführung nach Ost-Berlin nicht unterrichtet wurde. Ein Aktenvermerk der DDR-Staatsanwaltschaft erweckt dagegen den Eindruck, sie habe keine Überführung gewünscht.
  2. Franciszek Piesik 1942–1967

    Geburtsjahr
    Die Chronik der Mauer und die archivgestützte Studie von Magdalena Dźwigał nennen den 23. November 1942; laut Chronik geben einige polnische Dokumente von 1967 den 23. November 1943 an.
    Was er beim Verlassen Brombergs angab
    Nach Angaben seiner Angehörigen, wie sie die Chronik der Mauer wiedergibt, sagte er seiner Frau, er wolle seine kranke Mutter besuchen; eine Dienstnotiz eines Ermittlungsoffiziers der polnischen Grenztruppen vom Dezember 1967 spricht dagegen vom kranken Vater.
    Verurteilung wegen des Bareinbruchs
    Laut den von Magdalena Dźwigał und der Chronik der Mauer ausgewerteten Akten wurde er wegen Einbruchs in eine Bar verurteilt; nach Angaben seiner jüngsten Schwester sagten Familie und Bekannte damals aus, er sei nicht dort gewesen, Einbrecher hätten seinen Personalausweis benutzt.
    Wie er das gestohlene Boot verließ
    Ein polnischer Grenzoffizier schrieb unter Berufung auf einen ostdeutschen Kollegen, er sei auf Anruf aus dem Boot ins Wasser gesprungen und habe seine Kleidung zurückgelassen; eine Meldung der NVA besagt, er habe die sumpfige Landzunge noch erreicht und dort seine Sachen zurückgelassen.
    Ob geschossen wurde
    DDR-Grenzvertreter teilten den polnischen Grenztruppen zunächst mit, es sei geschossen worden, und erklärten dies später zum Irrtum; ein NVA-Bericht rügte, dass nicht geschossen wurde; der West-Berliner Polizei war kein Schusswaffengebrauch bekannt, und die Obduktion ergab keine Hinweise auf äußere Gewalt.
    Warum der Leichnam nicht nach Polen überführt wurde
    Ein Zeitungsartikel der Chronik-Autoren von 2014 schreibt, die polnischen Behörden hätten die Überführung abgelehnt; nach Magdalena Dźwigałs Archivstudie meldete das Außenministerium im Mai 1968, eine Überführung nach Polen sei möglich, die Eltern seien laut seinen Geschwistern aber nie informiert worden; laut einem Vermerk der West-Berliner Polizei war die polnische Militärmission mit einer Sozialbestattung in West-Berlin einverstanden.

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1968 4 Personen, 10 Widersprüche

  1. Herbert Mende 1939–1968

    Zahl der Schüsse
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts, die sich auf eine Verfügung der Staatsanwaltschaft Neuruppin von 1996 stützt, gab einer der Grenzposten nach einem Warnschuss zwei Schüsse aus 30 Metern auf ihn ab. Der Untersuchungsbericht der 2. Grenzbrigade der DDR-Bereitschaftspolizei vom 9. Juli 1962 verzeichnet zwei Warnschüsse, einen aus der Maschinenpistole des Postens und einen aus der Pistole eines Volkspolizisten, und danach einen gezielten Schuss des Postens aus etwa 30 Metern.
  2. Siegfried Krug 1939–1968

    Warnschüsse vor dem Eintreffen der beiden anderen Posten
    Der MfS-Bericht vom Tattag erwähnt keine Warnschusssalve vor dem Eintreffen der beiden anderen Posten; danach kamen sie, weil der Vorgang vom Führungspunkt aus beobachtet wurde, und Warnschüsse gaben erst später der erste Posten und der Postenführer nahezu gleichzeitig ab. Die Chronik stützt sich auf das Urteil von 1993. Laut MfS-Bericht war der Schütze Unteroffizier und Postenführer und schoss aus etwa 2 bis 3 Metern.
    Entfernung bei der Schussabgabe
    Die Biografie des Forschungsprojekts nennt nach dem Urteil von 1993 wenige Meter. Laut einem Zeitungsbericht über den Prozess sprach die Staatsanwaltschaft von nur drei Metern, ein im selben Zeitungsbericht zitierter Passant schätzte etwa zehn Meter; der MfS-Bericht vom 6. Juli 1968 nennt zwei bis drei Meter.
  3. Horst Körner 1947–1968

    SED-Mitgliedschaft
    Die Chronik der Mauer und ein Stasi-Bericht vom November 1968 bezeichnen ihn als SED-Mitglied; der Bericht des NVA-Stadtkommandanten an Erich Honecker vom 16. November 1968 führt ihn als Kandidaten der SED.
    An wen die Abschiedszeilen gerichtet waren
    Die Chronik der Mauer spricht von Abschiedsworten an seine Eltern, gefunden in einer Uniformtasche; der Stasi-Bericht vom November 1968 von einem an seine Mutter gerichteten Text, der in seinen Unterlagen sichergestellt wurde.
    Das Manöver des Streifenfahrzeugs
    Laut Stasi-Bericht und Chronik der Mauer hielt das Streifenfahrzeug und setzte zurück, bevor er das Feuer eröffnete; laut Bericht des NVA-Stadtkommandanten sollte der Fahrer wenden, und der Mann eröffnete das Feuer, nachdem die Scheinwerfer auf den Baum gerichtet waren.
    Todesort in der Kopfzeile
    Die englische Fassung der Chronik der Mauer nennt als Ort „in the Babelsberg Palace Park, on the outer ring between Potsdam-Babelsberg and Berlin-Zehlendorf“. Die deutsche Fassung verortet den Tod „am Schlosspark Babelsberg“, am Außenring zwischen Klein Glienicke (Kreis Potsdam-Stadt) und Berlin-Zehlendorf, so wie auch bei Rolf Henniger, der beim selben Vorfall starb.
  4. Rolf Henniger 1941–1968

    Datum in der ADN-Bildunterschrift
    Die Chronik der Mauer und die internen DDR-Berichte datieren die Schüsse auf den Abend des 15. November 1968; eine Bildunterschrift der DDR-Nachrichtenagentur ADN vom 21. November 1968 nennt den 16. November.
    Das Manöver des Streifenfahrzeugs
    Laut Chronik der Mauer und Stasi-Bericht sollte Henniger zurücksetzen; laut Bericht des NVA-Stadtkommandanten sollte er wenden, und der Mann eröffnete das Feuer, nachdem die Scheinwerfer auf den Baum gerichtet waren.
    Schreibweise des Nachnamens
    Die Chronik der Mauer und die internen DDR-Berichte schreiben Henniger; die ADN-Bildunterschrift von 1968 sowie Bundesarchiv- und Commons-Dateititel schreiben Henninger.

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1969 3 Personen, 5 Widersprüche

  1. Johannes Lange 1940–1969

    Wie viele Kugeln ihn trafen und wo
    Die Biografie des Forschungsprojekts spricht, gestützt auf das Urteil von 1998, von fünf Kugeln, die ihn von hinten in Kopf, Hals, Nacken und Oberschenkel trafen. Der MfS-Abschlussbericht vom Mai 1969 zählt vier Treffer an Oberschenkel, Brustkorb, Hals und Kopf.
    Wer Erste Hilfe leisten wollte
    Die Biografie des Forschungsprojekts nennt den Helfer einen Rettungssanitäter vom Krankenhaus Mitte; der MfS-Abschlussbericht beschreibt ihn als Kraftfahrer des Rettungsamtes Berlin, der sich mit seinem Krankentransportwagen am Krankenhaus befand.
    Welches Schwesternzimmer getroffen wurde
    Die Biografie verortet das Projektil auf dem Tisch eines Schwesternzimmers im Ost-Berliner Krankenhaus Mitte. Der MfS-Bericht nennt dafür den Entlassungsraum des Krankenhauses und gibt einen Treffer im Schwesternaufenthaltsraum des West-Berliner Bethanien-Krankenhauses nach West-Berliner Pressemeldungen wieder.
  2. Klaus-Jürgen Kluge 1948–1969

    Uhrzeit der Schüsse
    Die Biografie des Forschungsprojekts gibt unter Berufung auf einen Stasi-Bericht vom 14. September 1969 an, er habe gegen 20.40 Uhr das Grenzgebiet betreten. Ein Stasi-Bericht vom 23. September 1969 nennt 20 Uhr als Zeitpunkt, zu dem er tödlich verletzt wurde. Das Profil folgt der Biografie.
  3. Leo Lis 1924–1969

    Motiv der Flucht
    Das Forschungsprojekt bezeichnet seine Motive als unbekannt; auch der Stasi-Bericht vom Tag seines Todes nennt als Ursache des Fluchtversuchs „unbekannt“. Die Stasi-Mediathek des Stasi-Unterlagen-Archivs schreibt dagegen in ihrer Einführung zu einem Dokument aus seiner Akte, ein Teil seiner Familie habe bereits in Westdeutschland gelebt, die Ausreise mit Frau und Kindern sei ihm nicht genehmigt worden, und er habe deshalb beschlossen, es zunächst allein zu versuchen. Auf welches Dokument oder welche Aussage sich das stützt, wird nicht gesagt; dieselbe Einführung gibt sein Alter mit 43 statt 45 Jahren an. Sein Motiv bleibt damit unbestätigt.

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1970 8 Personen, 14 Widersprüche

  1. Christel Wehage 1946–1970

    Beruf von Christel Wehage
    Die Biografie des Forschungsprojekts (Chronik der Mauer) bezeichnet Christel Wehage unter Berufung auf eine Information des MfS vom 10. März 1970 als Psychotherapeutin im Kreiskrankenhaus Wolmirstedt. Das Stasi-Unterlagen-Archiv im Bundesarchiv nennt sie Physiotherapeutin; ein IM-Bericht vom April 1970 spricht von ihrer Tätigkeit in der Massageabteilung des Krankenhauses.
    Geburtsdatum von Christel Wehage
    Die Biografie des Forschungsprojekts nennt als Geburtsdatum von Christel Wehage den 15. Dezember 1946. Die am Todestag verfasste Parteiinformation des MfS gibt den 15. Juni 1946 an. Das Profil folgt dem Forschungsprojekt.
  2. Eckhard Wehage 1948–1970

    Verpflichtung als Berufssoldat
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts gehörte Eckhard Wehage ab 1967 der Volksmarine an und hatte sich für zehn Jahre als Berufssoldat verpflichtet. Ein IM an Bord seines Bootes berichtete am 10. März 1970, er habe sich im Vorjahr als Berufssoldat verpflichtet. Die Quellen erklären den Unterschied nicht.
    Wer die Landung in Tempelhof anbot
    Laut Forschungsprojekt, Bundesarchiv und Die Welt (2020) überredete die Stewardess das Paar zu einer Landung in Tempelhof; ein Focus-Bericht von 1995 schreibt das Angebot dem Flugkapitän zu.
    Datum des Jugendgerichtsurteils von 1963
    Laut Haupttext der Biografie des Forschungsprojekts verurteilte die Jugendstrafkammer des Kreisgerichts Halberstadt Eckhard Wehage am 18. Oktober 1963; die Fußnote nennt als Datum des Urteils den 21. Oktober 1963. Das Profil folgt dem Haupttext.
  3. Heinz Müller 1943–1970

    Die Schüsse vom Wachturm
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts, die sich auf das Urteil des Landgerichts Berlin von 1992 stützt, gab ein Grenzposten im Wachturm an der Schillingbrücke aus etwa 200 Metern zwei Feuerstöße in seine Richtung ab. Ein wenige Stunden nach den Schüssen verfasster Stasi-Bericht gibt die Entfernung des Turms mit etwa 150 Metern an und bezeichnet den ersten Feuerstoß von drei Schuss als Warnschüsse, auf die ein gezielter Feuerstoß von drei Schuss gefolgt sei.
    Wie er über die Mauer gelangte
    Die Biografie des Forschungsprojekts lässt offen, ob er über die Mauer stieg oder fiel oder von anderen hinübergestoßen wurde. Ein Stasi-Bericht vom Morgen desselben Tages hält fest, er habe um 1.52 Uhr in der Köpenicker Straße die Mauer überstiegen und dabei das unmittelbar an der Mauer stehende Podest genutzt.
  4. Willi Born 1950–1970

    Geburtsdatum
    Die Quellen nennen unterschiedliche Geburtsdaten. Der am Todestag verfasste Abschlussbericht des Kommandeurs des DDR-Grenzregiments 36, die offizielle Liste der 140 Todesopfer von 2017 und die englische Fassung der Biografie geben den 19. Juli 1950 an, die deutsche Biografie den 29. Juli 1950. Beide Biografien schreiben, er sei am 7. Juli 1970 drei Wochen vor seinem 20. Geburtstag gestorben; das passt zum 29. Juli.
  5. Friedhelm Ehrlich 1950–1970

    Ob er fliehen wollte
    Die DDR wertete seinen Tod als vereitelte Fahnenflucht. Seine Eltern und ein Kamerad sagten 1992 gegenüber der Polizei, nichts habe auf Fluchtabsichten hingedeutet, und vermuteten, er habe die Grenzposten provozieren wollen oder sich verlaufen; das Forschungsprojekt von Hans-Hermann Hertle und Maria Nooke zählt ihn zu den Erschossenen ohne Fluchtabsicht.
  6. Gerald Thiem 1928–1970

    Zahl der abgegebenen Schüsse
    Ein MfS-Bericht über den Vorfall vom 7. August 1970 nennt insgesamt 180 von den Posten abgegebene Schüsse. Das Forschungsprojekt gibt die Zahl mit 177 an.
  7. Helmut Kliem 1939–1970

    Ortsname
    Die Kopfzeile der englischen Biografie nennt den Ort „Falkenhöhe“; das deutsche Original schreibt Falkenhöh (Ortsteil von Falkensee), die in diesem Profil verwendete Form.
    Wie es zu den Schüssen kam
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts, die sich für den Geschehensablauf auf die Feststellungen des Landgerichts Potsdam von 1997 stützt, zielte der Posten am Tor auf die Reifen des Motorrads; ob die Brüder seine Rufe oder einen Warnschuss im Motorenlärm hörten, ist ungewiss. Der am Tag der Schüsse verfasste Bericht der Grenztruppen, der das Verhalten der Posten als vorbildlich bezeichnete und für den Schützen eine Medaille vorschlug, gibt an, die Brüder hätten zwei Haltrufe missachtet; nach einem Warnfeuerstoß in die Luft habe der Posten gezielt auf den Fahrer geschossen.
    Wann er medizinisch versorgt wurde
    Nach der in der Biografie des Forschungsprojekts zitierten Aussage seines Halbbruders von 1993 wurden die beiden erst eine Stunde nach den Schüssen behandelt, nachdem ein Krankenwagen sie in das Krankenhaus Staaken gebracht hatte. Laut dem Bericht der Grenztruppen vom 13. November 1970, der das Herannahen des Motorrads auf 15.25 Uhr datiert, leisteten die Posten vor Ort Erste Hilfe, der Sanitätswagen des Regiments kam unmittelbar danach, und das Krankenhaus wurde um 15.47 Uhr gebeten, eine Operation vorzubereiten.
  8. Christian Peter Friese 1948–1970

    Zahl der abgegebenen Schüsse
    Ein MfS-Bericht vom 25. Dezember 1970 verzeichnet 80 Schuss der Alarmgruppe, 16 des Postens Köllnische Heide und 2 des Postenpaars Dammweg, insgesamt 98, die Zahl, die auch die Biografie des Forschungsprojekts nennt. Die spätere Information Nr. 1375/70 der Stasi nennt ohne Aufschlüsselung insgesamt 102 Schuss. Das Profil folgt der Biografie.

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1971 4 Personen, 10 Widersprüche

  1. Rolf-Dieter Kabelitz 1951–1971

    In welche Richtung er sich bewegte, als geschossen wurde
    Laut einem Stasi-Bericht vom 8. Januar 1971 versuchte er auf Anruf weiter zur Grenze vorzudringen und sich auch nach einem Warnfeuerstoß der Festnahme zu entziehen, worauf einem Posten befohlen wurde zu schießen. Bei seiner Vernehmung durch einen Richter im Krankenhaus gab er an, er habe das Grenzgebiet verlassen wollen und bereits gestanden, als geschossen wurde. Die Chronik der Mauer schreibt, er sei weiträumig eingekreist gewesen und habe sich von der Grenze weg bewegt.
    Wer den gezielten Feuerstoß abgab
    Laut Stasi-Bericht vom 8. Januar 1971 gab der Gruppenkommandeur einen Warnfeuerstoß ab; danach wurde einem Posten befohlen, das Feuer zu eröffnen, und nach einem gezielten Feuerstoß sei er zu Boden gestürzt. Nach der Chronik der Mauer, die sich auf die Einstellungsverfügung der Berliner Staatsanwaltschaft von 1994 stützt, gab dagegen ein Oberleutnant den Feuerstoß auf ihn ab; der andere Schütze gab an, in die Luft geschossen zu haben.
  2. Wolfgang Hoffmann 1942–1971

    Unfall oder bewusster Sprung
    Die Volkspolizei schloss eine Selbsttötung aus und stellte einen tödlichen Unfall fest: Er habe nicht gewusst, dass er sich im zweiten Stock befand, und der Baum vor dem Fenster sei ihm vermutlich zum Festhalten geeignet erschienen. Sein Bruder wandte ein, Wolfgang sei jahrelang auf dem Schulweg an dem Gebäude vorbeigegangen und habe möglicherweise genau gewusst, wo er war. Der Mutter erzählte die Stasi später eine erfundene Geschichte von einem Selbstmord wegen Spielschulden und Alkohol. Was er beabsichtigte, lässt sich aus den Quellen nicht klären.
  3. Werner Kühl 1949–1971

    Zeitpunkt des Plans
    Die Biografie des Forschungsprojekts schreibt im Haupttext, Werner Kühl habe den – vielleicht spontanen – Plan erst am 24. Juli am Kanal eröffnet; ihr Vorspann nennt dagegen den 19. Juli als Tag des Vorschlags. Laut den von der Stasi protokollierten Aussagen seines Freundes schlug Kühl am 21. Juli vor, die Grenze in der Nähe einer Brücke am Britzer Zweigkanal zu überwinden.
    Ablauf der Schüsse
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts, die sich teils auf die Schilderung seines Freundes in der Welt vom 1. September 1971 stützt, wurde zuerst sein Freund verletzt; Werner Kühl erreichte unverletzt ein Tor auf Ost-Berliner Seite, konnte es nicht öffnen, kehrte um und wurde getroffen. Ein Stasi-Bericht an die DDR-Führung gibt an, Kühl sei nach dem ersten Feuerstoß zusammengebrochen und sein Freund beim Versuch, nach West-Berlin zurückzukehren, getroffen worden; auch der Bericht der Grenztruppen vom 25. Juli 1971 schildert, dass einer der beiden zuerst zusammenbrach und der andere danach noch einmal versuchte, die Sperranlagen zu überwinden.
    Wie er seinen Freund kennenlernte
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts lernten sich die beiden 1968/69 in einem Wohnheim der Jugendfürsorge kennen; laut der Stasi-Niederschrift der Aussage seines Freundes trafen sie sich zufällig auf einer Straße in Neukölln.
  4. Dieter Beilig 1941–1971

    Wie er 1964 in die Hände der Stasi geriet
    Wie Dieter Beilig im April 1964 in die Hände der Stasi geriet, ist ungeklärt. Im Westen wurde damals eine Entführung vermutet; Stasi-Akten behaupten, er sei am Abend des 29. April 1964 betrunken zum Grenzübergang Bahnhof Friedrichstraße gefahren und habe Kontakt zum MfS verlangt.
    Seine Protestaktionen 1962
    Von der West-Berliner Polizei überlieferte Berichte, auf die sich das Forschungsprojekt stützt, belegen eine vorläufige Festnahme im Juli 1962 wegen des Werfens von Rauchkörpern über die Mauer. Stasi-Unterlagen werfen ihm sieben Anschläge mit selbstgefertigten Sprengsätzen vor; ein Zeitungsbericht von 2003 nennt unter Berufung auf Stasi-Protokolle eine angebliche Verurteilung zu drei Wochen Jugendarrest durch ein West-Berliner Jugendschöffengericht. Nach Einschätzung des Forschungsprojekts sind seine Aktivitäten in den Stasi-Akten stark aufgebauscht.
    Wo er starb
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts war er vermutlich sofort tot; ein als Sanitäter hinzugerufener Zeuge sagte 1978 aus, der Getroffene habe beim Eintreffen der Hilfe kein Lebenszeichen mehr gezeigt. Ein Stasi-Bericht gibt an, er sei ins Volkspolizei-Krankenhaus gebracht worden, wo sein Tod festgestellt wurde; die Berliner Zeitung (2003) schreibt, er sei auf dem Transport dorthin gestorben.
    Ob er vor dem Schuss gewarnt wurde
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts wurde er ohne jede Vorwarnung aus nächster Nähe erschossen. Der Stasi-Bericht über seine Festnahme und Erschießung behauptet, er sei nach seiner erneuten Festnahme auf dem Weg zum Stützpunkt verwarnt worden, bei einem weiteren Fluchtversuch werde geschossen. Laut der Biografie fälschte die Stasi danach zudem Beweise, um einen Notwehrakt vorzutäuschen.

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1972 3 Personen, 4 Widersprüche

  1. Horst Kullack 1948–1972

    Datum der Schüsse auf dem Gedenkkreuz
    Das Gedenkkreuz auf der West-Berliner Seite datiert die Schüsse auf den 1. Januar 1972. Der am Folgetag verfasste Bericht der Grenztruppen und die Biografie des Forschungsprojekts nennen den 31. Dezember 1971 gegen 22.30 Uhr; in der englischen Bildunterschrift zu seinem Foto der Inschrift nennt das Forschungsprojekt den 31. Dezember 1971 als richtiges Datum.
  2. Manfred Weylandt 1942–1972

    Was seiner Witwe mitgeteilt wurde
    Laut dem Forschungsprojekt, das sich auf Stasi-Berichte stützt, wurde der Witwe am 14. März 1972 lediglich mitgeteilt, die Leiche ihres Mannes sei nahe der Museumsinsel aus der Spree geborgen und bereits eingeäschert worden; die Todesursache wurde nicht genannt, die Urne am 21. März beigesetzt. Nach den Feststellungen des Landgerichts Berlin, wie sie Bundesverfassungsgericht und Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte wiedergeben, wurde ihr ein Selbstmord mitgeteilt; der Straßburger Gerichtshof ergänzt, man habe ihr gesagt, die Urne sei bereits beigesetzt.
    Zeitpunkt, zu dem er in die Spree gelangte
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts wurde er zuletzt gegen 22.30 Uhr in einer Gaststätte in Friedrichshain gesehen und gegen 23.30 Uhr im Fluss entdeckt. Nach den vom Bundesverfassungsgericht wiedergegebenen Feststellungen des Landgerichts gelangte er gegen 22.30 Uhr unbemerkt in die Spree.
  3. Klaus Schulze 1953–1972

    Wie die Posten sie bemerkten
    Laut Chronik der Mauer lösten die beiden jungen Männer beim Überqueren des Signalzauns Alarm aus, ohne es zu bemerken. Ein zwei Tage nach den Schüssen verfasster Stasi-Bericht hält dagegen fest, dass die Sicherungen des Signalzauns und der Signalgeräte dort nicht funktionstüchtig waren und dass das Postenpaar auf dem Wachturm die beiden bei ihrer Annäherung an den Zaun als Schatten wahrnahm.

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1973 3 Personen, 4 Widersprüche

  1. Volker Frommann 1944–1973

    Geburtsdatum
    Die Quellen nennen unterschiedliche Geburtsdaten. Die offizielle Liste der 140 Todesopfer von 2017, die Kopfzeilen der englischen und der deutschen Biografie sowie der Rapport der Ost-Berliner Volkspolizei vom 1. März 1973 geben den 23. April 1944 an, der Text der deutschen Biografie den 24. April 1944.
  2. Horst Einsiedel 1940–1973

    Letzter Arbeitgeber
    Das Forschungsprojekt nennt als letzten Arbeitgeber das VEB Rationalisierungswerk Heinersdorf; der Stasi-Bericht vom 15. März 1973 das VEB Rationalisierungswerk Berlin mit Anschrift Buchholzer Straße in Niederschönhausen. Möglicherweise ist derselbe Betrieb gemeint.
  3. Manfred Gertzki 1942–1973

    Todesursache: Schussverletzungen oder Ertrinken
    1973 wurde keine Obduktion vorgenommen. Das Landgericht Berlin konnte 1997 nicht feststellen, ob er an seinen Schussverletzungen starb oder ertrank, nachdem er in die Spree gestoßen worden war; das Forschungsprojekt nennt ihn erschossen und ertrunken.
    Wie er in die Spree gelangte
    Die drei Tage nach den Schüssen an Erich Honecker gesandte Stasi-Information gibt an, ein Motorboot habe wegen der starken Strömung nicht anlegen können, die Bergung sei deshalb zunächst gescheitert und der Tote in die Spree gefallen. Nach der Biografie des Forschungsprojekts hält ein am Tag selbst verfasster Stasi-Bericht fest, dass ein Offizier ihn in den Fluss schob, damit er nicht von West-Berliner Seite geborgen würde; nach den dort angeführten West-Berliner Augenzeugen hatte die Bootsbesatzung dem Offizier zugerufen, ihn ins Wasser zu werfen. Das Profil folgt dem Bericht vom 27. April.

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1974 2 Personen, 5 Widersprüche

  1. Czesław Jan Kukuczka 1935–1974

    Zeitpunkt des Schusses
    Der Stasi-Bericht nennt 15.00 Uhr; die Schülerinnen, die die Tat beobachteten, nannten laut „Bild“ vom 2. April 1974 die Zeit zwischen 15.10 und 15.20 Uhr.
    Geburtsdatum
    Das Forschungsprojekt nennt nach seinem eigenen Lebenslauf den 23. Juli 1935 und vermerkt, dass einige Dokumente, darunter eine Abschrift seines Schulzeugnisses, den 25. Juli 1935 angeben.
    Zeitpunkt der Anklage
    Hubertus Knabe, der vom Prozess berichtete, datiert die Anklage auf November 2023. Zeitgenössische Meldungen sprechen für Oktober: Laut dpa gab die Staatsanwaltschaft die Anklage am Donnerstag, dem 12. Oktober 2023, bekannt; das polnische Institut für Nationales Gedenken meldete sie am 13. Oktober 2023, die „Rzeczpospolita“ am 16. Oktober 2023, und PAP datierte sie später auf Oktober.
  2. Johannes Sprenger 1905–1974

    Verletzungen
    Das Forschungsprojekt nennt Treffer in Kopf und Hals, die auf den Leichenfotos zu erkennen sind. Die Tagesmeldung der Grenztruppen vom 10. Mai 1974 spricht von Kopf- und Brustschuss; auch Stasi-Akten und das Urteil des Landgerichts Berlin von 2000 nennen laut Forschungsprojekt einen Brustschuss, der auf den Fotos nicht festzustellen ist.
    Warum er nicht operiert wurde
    Nach einem Stasi-Bericht lehnten die Ärzte in Berlin-Buch wegen seines Alters eine Operation ab; ein anderer Stasi-Bericht, gestützt auf ein Gespräch mit seiner Frau, besagt, er selbst habe eine Operation abgelehnt.

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1975 4 Personen, 9 Widersprüche

  1. Herbert Halli 1953–1975

    Todesdatum (gefälschte Beurkundung)
    Er wurde am Abend des 3. April 1975 erschossen und starb noch am selben Abend. Auf Betreiben der Stasi nannte die Sterbeurkunde den 4. April 1975 und einen Unfall als Todesursache; das falsche Datum wurde später in seinen Grabstein in Brandenburg-Plaue gemeißelt.
  2. Çetin Mert 1970–1975

    Wie er ins Wasser fiel
    Die Biografie des Forschungsprojekts stützt sich auf einen Zeitungsbericht von 2000 und schildert, er sei beim Versuch, seinen Ball mit einem Stock aus dem Wasser zu fischen, hineingefallen. Im Stasi-Bericht vom 12. Mai 1975 gaben die beiden verdeckten Beobachter der Grenztruppen an, eines von zwei Kindern sei beim Versuch, einen Stock ins Wasser zu werfen, abgerutscht.
    Ob er hätte gerettet werden können
    Ein Stasi-Bericht vom 12. Mai 1975 hält lapidar fest, für das beobachtende Postenpaar hätten keine Möglichkeiten zur Rettung des Kindes bestanden; die Chronik-Biografie zitiert diesen Satz und vermerkt, dass die beiden keine Nachrichtenverbindung hatten und deshalb erst viel später Meldung machten. Der Berliner Beauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur schreibt unter Berufung auf die Stasi-Akten, Çetin Mert hätte wahrscheinlich gerettet werden können: Die Posten meldeten sich erst viel später und fotografierten, statt Hilfe zu holen.
    Wie die Familie den Leichnam zurückerhielt
    Die Biografie des Forschungsprojekts sagt nur, der Junge sei erst Tage später den Eltern übergeben worden. Nach Aussage seines jüngeren Bruders in einem Interview von 2000, das die taz 2024 zitierte, musste die Familie der DDR 10.000 Mark zahlen, um den Leichnam zurückzubekommen; in den übrigen ausgewerteten Quellen ist von einer Zahlung keine Rede.
    Teilnehmerzahl der Protestkundgebung der türkischen Gemeinde
    Die Biografie des Forschungsprojekts beziffert den Protest von Mitgliedern der türkischen Gemeinde West-Berlins unter Berufung auf einen Stasi-Bericht über die Lage an der Grenze am 19. und 20. Mai 1975 auf etwa 2.000 Menschen. Nach einem West-Berliner Polizeibericht vom 20. Mai 1975, den Jeffrey Jurgens in der Zeitschrift TRANSIT zitiert, versammelten sich am 19. Mai etwa 700 Demonstrierende am Hermannplatz; bis der Zug das Gröbenufer erreichte, war er auf etwa 1.200 Menschen angewachsen, darunter rund 300 Kinder.
  3. Herbert Kiebler 1952–1975

    Entfernung, aus der geschossen wurde
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts eröffneten die beiden Grenzposten aus 100 Meter Entfernung das Feuer. Ein von der Stasi im Juli 1975 abgefangener Brief eines Grenzsoldaten, den dieselbe Biografie zitiert, spricht von 80 Metern.
    Seine Verletzungen
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts traf ihn eine Kugel in Brust und Oberarm. Die Tagesmeldung der Grenztruppen derselben Nacht verzeichnet Kopf- und Herzschuss, und ein Grenzsoldat, der den Toten sah, schrieb von drei Schüssen im Kopf und zwei im Oberkörper.
    Womit die Posten ausrückten
    Laut Biografie suchten zwei Posten in einem Trabant-Kübel nach ihm; die Tagesmeldung der Grenztruppen spricht vom stellvertretenden Zugführer, der mit dem Krad ausrückte.
  4. Lothar Hennig 1954–1975

    Welches Geschoss ihn traf
    Ein Bericht der DDR-Grenztruppen vom 5. November 1975 hält fest, der Posten habe einen Warnschuss und danach einen gezielten Schuss abgegeben. Der Todesschütze gab an, einen Warnschuss hinter Lothar Hennig in den Boden abgegeben zu haben; der zweite Posten sah das Geschoss auf dem Gehweg Funken schlagen. Nach der Biografie des Forschungsprojekts, die sich auf das Urteil von 1996 stützt, ließ sich nicht klären, ob ihn das abgefälschte Geschoss oder eine zweite Kugel traf; Waffe und Tatort wurden nie kriminaltechnisch untersucht.

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1977 1 Person, 1 Widerspruch

  1. Dietmar Schwietzer 1958–1977

    Wo er sein Motorrad abstellte
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts fuhr er gut 100 Kilometer bis Hennigsdorf, ließ das Motorrad dort stehen und nahm den Bus. Ein Stasi-Bericht vom 16. Februar 1977 gibt an, sein Motorrad, eine Jacke, sein Sturzhelm und ein Fernglasetui seien am Abend an einem Forsthaus in Schönwalde gefunden worden. Das Profil folgt der Biografie.

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1979 1 Person, 2 Widersprüche

  1. Vladimir Ivanovich Odintsov 1960–1979

    In welche Richtung er lief, als er erschossen wurde
    Nach Aussage der beiden Volkspolizisten lief er in Richtung F2 und Staatsgrenze, als auf ihn geschossen wurde. Die Tatortskizze des Kriminalistischen Instituts der Volkspolizei zeigt laut der Biografie des Forschungsprojekts, dass er in die Richtung zurücklief, aus der er gekommen war.
    Entfernung des tödlichen Schusses
    Der Schütze gab an, den gezielten Feuerstoß aus etwa 15 Metern abgegeben zu haben; die kriminaltechnische Einsatzgruppe der Volkspolizei hielt eine Entfernung von 18 Metern fest.

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1980 2 Personen, 6 Widersprüche

  1. Ulrich Steinhauer 1956–1980

    Die Darstellung des Postens zum Tathergang
    Kurz nach der Tat gab der Posten laut einem Bericht der Zeit vom November 1980 an, sein Postenführer habe nicht reagiert und offenbar an einen Scherz geglaubt; nach zwei Warnschüssen müssten sich die tödlichen Schüsse gelöst haben, und in seiner Panik habe er sich in Notwehr geglaubt. In seiner späteren Darstellung, die die Biografie des Forschungsprojekts nach dem Urteil von 1981 wiedergibt, drehte sich der Postenführer um, nahm seine Waffe von der Schulter und richtete sie angeblich auf ihn. Der Obduktionsbericht nennt einen Streifschuss am Oberbauch und einen tödlichen Einschuss im Rücken.
    Warum das Gericht den Mordvorwurf fallen ließ
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts sah die Jugendkammer nicht als bewiesen an, dass der tödliche Schuss in den Rücken zuerst abgefeuert wurde. Der Spiegel (1991) gab als Begründung an, es stehe nicht fest, dass der Posten als Erster geschossen habe.
    Wann sein letzter Brief ankam
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts erreichte sein letzter Brief die Familie am 7. November, drei Tage nach seinem Tod; ein rbb-Fernsehbericht von 2009 spricht von zwei Tagen.
  2. Marienetta Jirkowsky 1962–1980

    Datum der Beisetzung
    Das Forschungsprojekt datiert die Urnenbeisetzung in Spreenhagen auf den 14. Dezember 1980; der Historiker Stefan Appelius nennt in einem Artikel, der einen Spitzelbericht über die Beisetzung zitiert, den 12. Dezember 1980 gegen 13.30 Uhr.
    Wer das Kreuz im Westen aufstellte
    Nach dem Forschungsprojekt stellten ihre beiden Begleiter Anfang Februar 1981 gegenüber der Durchbruchstelle ein Kreuz auf, das ein inoffizieller Mitarbeiter entfernte. Stefan Appelius schreibt, der Berliner Bürgerverein habe das Gedenkkreuz kurz nach ihrem Tod an der Fluchtstelle errichtet. Übereinstimmend brachte ein Stasi-Spitzel das Kreuz nach Ost-Berlin.
    Woher die Schüsse kamen
    Das Forschungsprojekt beschreibt nach dem Urteil von 1995 Feuer zunächst vom 160 Meter entfernten Wachturm und dann von zwei Soldaten, die vom 230 Meter entfernten Turm herbeiliefen. Nach den Stasi-Berichten vom 22. November und 4. Dezember 1980 schoss der am Fuß eines Postenturms eingesetzte Postenführer aus der Bewegung aus etwa 70 bis 100 Metern, zusammen mit der Besatzung eines etwa 200 Meter entfernten Beobachtungsturms.

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1981 2 Personen, 3 Widersprüche

  1. Dr. Johannes Muschol 1949–1981

    Entfernung vom Wachturm
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts, die sich auf das Urteil von 1996 stützt, schoss der Postenführer aus zwölf Metern. Die West-Berliner B.Z. berichtete am Tag nach den Schüssen von gezielten Schüssen aus 15 Metern.
    Ob er hätte festgenommen werden können
    Interne Stasi-Berichte vom 18. März 1981 schildern die Schüsse anders als das Gericht. Einer, der nach Angabe der Herausgeber der Stasi-Akten-Edition offenbar verworfen und nie versandt wurde, behauptet, die Grenzposten seien 120 bis 150 Meter entfernt gewesen und hätten ihn nicht erreichen können, und er sei erst gestorben, nachdem man ihn in den Wachturm gebracht hatte; ein anderer gibt an, die Schüsse hätten ihn von der Krone der Hinterlandmauer gestürzt. Das Landgericht Berlin stellte 1996 fest, dass er nur wenige Meter vom Schützen entfernt war und ohne Weiteres hätte festgenommen werden können. Das Profil folgt dem Gericht.
  2. Hans-Jürgen Starrost 1955–1981

    Wie es zu dem Schuss kam
    Überliefert sind nur die Aussagen der Beteiligten. Der Volkspolizist gab an, der Mann habe sich auf ihn gestürzt und im Handgemenge habe sich der Schuss gelöst; zugleich räumte er ein, keine Veranlassung mehr zum Schusswaffengebrauch gehabt zu haben. Der Grenzsoldat, der ihn festhielt, sagte, der Mann sei sofort stehen geblieben. Der erste Bericht der Stasi vom Tag der Tat gibt an, Grenzsoldaten hätten ihm den Fluchtweg abgeschnitten, er sei daraufhin zurück auf den Volkspolizisten zugelaufen, der ihn festzuhalten versuchte, und bei dem Gerangel habe sich ein Schuss aus dessen Dienstwaffe gelöst. Die Technische Untersuchungsstelle des MfS stellte fest, dass sich bei vorschriftsmäßigem Gebrauch kein Schuss unbeabsichtigt lösen könne; die Staatsanwaltschaft folgte 1995 dennoch der Darstellung, er habe ohne Tötungsvorsatz gehandelt.

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1982 1 Person, 1 Widerspruch

  1. Lothar Fritz Freie 1955–1982

    Strafmaß des Postenführers
    Die deutsche Biografie des Forschungsprojekts nennt für den Postenführer 1995 eine Bewährungsstrafe von „einem Jahr und 18 Monaten“, offenbar ein Schreibfehler; die englische Fassung nennt ein Jahr und acht Monate. Das Urteil von 1995 selbst wurde nicht eingesehen, daher nennt dieses Profil kein Strafmaß.

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1983 1 Person, 2 Widersprüche

  1. Silvio Proksch 1962–1983

    Zeitpunkt und Ort des Todes
    Laut der Biografie des Forschungsprojekts verblutete er im Todesstreifen; bei der Einlieferung ins Volkspolizei-Krankenhaus gegen 21.15 Uhr habe man nur noch seinen Tod feststellen können. Nach der Tagesmeldung der Grenztruppen vom 27. Dezember 1983 starb er gegen 20.46 Uhr in diesem Krankenhaus. Das Landgericht Berlin setzte 1994 den Todeszeitpunkt auf etwa 20.45 Uhr an, kurz nach dem Abtransport, der erst rund eine Stunde nach dem Schuss erfolgte. Presseberichte über den Prozess von 1992 sprechen vom Tod während der Fahrt ins Krankenhaus, einer davon unter Berufung auf den Staatsanwalt.
    Ob auch sein Bruder fliehen wollte
    Die Biografie des Forschungsprojekts und die Feststellungen des Landgerichts Berlin von 1994 besagen, dass sein Bruder ihn begleitete und ihn von der Flucht abbringen wollte. Ein 1991 veröffentlichter Bericht einer seiner Schwestern, gestützt auf das, was der Bruder der Familie in jener Nacht erzählte, schildert dagegen, beide Brüder hätten gemeinsam fliehen wollen und Silvio sei als Erster über die Mauer gestiegen. Das Profil folgt dem Gericht und dem Forschungsprojekt.

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1984 1 Person, 3 Widersprüche

  1. Michael Schmidt 1964–1984

    Entfernung zum Wachturm
    Das Forschungsprojekt gibt die Entfernung zum Wachturm mit etwa 100 Metern an, die Tagesmeldung der DDR-Grenztruppen mit 200 Metern. Das Landgericht Berlin stellte fest, dass er etwa 130 Meter nördlich des Turms auf die Hinterlandmauer stieg und die Posten aus etwa 150 und 110 Metern schossen.
    Abtransport nach den Schüssen
    Ehemalige Ost-Berliner Anwohner sagten 1991 bei der Polizei aus, er sei an den Beinen zum Kolonnenweg geschleift und in ein Militärfahrzeug verladen worden. Das Landgericht Berlin stellte 1992 fest, er sei an den Händen zu einem im Bau befindlichen Turm geschleift worden und habe keine Hilfe erhalten. Die Tagesmeldung der Grenztruppen vom 3. Dezember 1984 behauptete, es sei Erste Hilfe geleistet worden.
    Einlieferung ins Krankenhaus
    Die Zeitangaben weichen voneinander ab. Die Tagesmeldung der Grenztruppen nennt 4.11 Uhr für den Abtransport, das Forschungsprojekt etwa 4.25 Uhr für die Fahrt ins Krankenhaus; das Landgericht Berlin und der Bundesgerichtshof stellten 1992 eine Einlieferung kurz vor 5.30 Uhr und den Tod um 6.20 Uhr nach vorbereiteter Notoperation fest; die späteren Urteile zum Nationalen Verteidigungsrat nennen etwa 5.15 Uhr und sagen, er sei zu diesem Zeitpunkt bereits verblutet gewesen.

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1986 3 Personen, 8 Widersprüche

  1. Manfred Mäder 1948–1986

    Das Fluchtfahrzeug
    Die Biografie des Forschungsprojekts beschreibt den gestohlenen LKW W 50 mit einem Hebebühnenaufbau; das Urteil des Landgerichts Berlin von 2004, auf das sich die Biografie stützt, spricht von einem geschlossenen Kofferaufbau von über drei Metern Höhe, von dessen Dach aus Manfred Mäder die Mauerkrone erreichte. Dieses Profil folgt dem Urteil.
    Wo René Gross getroffen wurde
    Nach der Biografie des Forschungsprojekts, die sich auf einen Stasi-Bericht vom November 1986 stützt, hatte René Gross die Flucht aufgegeben und unter dem LKW Schutz gesucht, als ihn der Kopfschuss traf. Das Landgericht Berlin konnte 2004 nicht feststellen, wo er sich befand, als er getroffen wurde.
  2. René Gross 1964–1986

    Wo er getroffen wurde
    Nach der Biografie des Forschungsprojekts, die sich auf einen Stasi-Bericht vom November 1986 stützt, hatte René Gross die Flucht aufgegeben und unter dem LKW Schutz gesucht, als ihn der Kopfschuss traf. Das Landgericht Berlin konnte 2004 nicht feststellen, wo er sich befand, als er getroffen wurde.
    Das Fluchtfahrzeug
    Die Biografie des Forschungsprojekts beschreibt den gestohlenen LKW W 50 mit einem Hebebühnenaufbau; das Urteil des Landgerichts Berlin von 2004, auf das sich die Biografie stützt, spricht von einem geschlossenen Kofferaufbau von über drei Metern Höhe. Dieses Profil folgt dem Urteil.
  3. Michael Bittner 1961–1986

    Art der Strafe für die beiden Posten
    Die Biografie des Forschungsprojekts spricht von Jugendstrafen; das Urteil des Landgerichts Berlin vom 27. November 1997 verhängte, obwohl von der Jugendkammer gesprochen, gegen beide Posten Freiheitsstrafen von je einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung. Einer der beiden war Jahrgang 1956.
    Zahl der Treffer
    Die Biografie des Forschungsprojekts spricht von zwei Kugeln im Rücken. Das Urteil von 1997 stellt mindestens zwei Treffer rechts seitlich in den Rumpf fest und gibt wieder, dass der Regimentsarzt zwei oder drei Einschüsse im Rückenbereich zählte.
    Todeszeitpunkt
    Laut Urteil von 1997 und der Biografie des Forschungsprojekts stellte der Regimentsarzt den Tod um 1.50 Uhr fest; der Stasi-Bericht vom selben Tag nennt etwa 1.30 Uhr.
    Verbleib des Leichnams
    Das Urteil von 1997 hielt eine Einäscherung im Krematorium Baumschulenweg für wahrscheinlich, konnte sie aber nicht sicher feststellen; nach der Biografie des Forschungsprojekts verliert sich die Spur, nachdem ein Fahrzeug des MfS den Leichnam am 28. November 1986 abholte. Eine privat errichtete Gedenktafel in Mitte spricht von einer zerstückelten und verbrannten Leiche; dafür gibt es keine gerichtliche Feststellung.

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1989 2 Personen, 10 Widersprüche

  1. Chris Gueffroy 1968–1989

    Todeszeitpunkt und -ort
    Nach den Feststellungen des Bundesgerichtshofs starb er wenige Minuten nach dem Schuss am Zaun, kurz vor Mitternacht am 5. Februar 1989; ein Arzt stellte um 0.15 Uhr den Tod fest. Der Minister für Staatssicherheit schrieb Honecker, er sei auf dem Transport ins Krankenhaus gestorben, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte spricht von sofortigem Tod. Die Todesanzeige der Familie und ein 1989 errichtetes Kreuz nennen den 6. Februar.
    Kleingartenanlage und Wartezeit
    Das Forschungsprojekt nennt die Kleingartenanlage „Harmonie“ und eine Wartezeit von über einer Stunde in einem Geräteschuppen; Roman Grafes Prozessdokumentation nennt „Gemütlichkeit III“ und zweieinhalb Stunden; der Stasi-Bericht vom 6. Februar 1989 nennt „Holunderbusch“.
    Der Staatsbesuch
    Nach dem Forschungsprojekt irrten sich die beiden Freunde, weil der schwedische Ministerpräsident Ost-Berlin bereits wieder verlassen hatte; der Bundesgerichtshof hält in seiner Zusammenfassung der Feststellungen fest, dass am 5. Februar 1989 ein ausländischer Staatsbesuch stattgefunden habe.
    Trauergäste bei der Beerdigung
    Das Forschungsprojekt spricht von weit über hundert Trauergästen; der westdeutsche Korrespondent Karl-Heinz Baum, der dabei war, zählte 120; der Minister für Staatssicherheit meldete etwa 80 bis 100.
    Überwindung der Hinterlandmauer
    Nach dem Forschungsprojekt überwanden die beiden die Hinterlandmauer unentdeckt mit einer „Räuberleiter“; der Stasi-Bericht und, nach Pressedarstellung, die Aussage von Christian G. vor Gericht sprechen von einem Wurfanker; ein vom Spiegel zitierter Bericht der Grenztruppen sagt, sie hätten sie ohne Hilfsmittel überwunden.
  2. Winfried Freudenberg 1956–1989

    Maximale Flughöhe
    Das Forschungsprojekt schließt aus dem Wechsel der Windrichtung auf weit über 2.000 Meter; der Tagesspiegel (2014) nennt unter Berufung auf Meteorologen über 3.000 Meter, der stern (2019) etwa 5.000 Meter.
    Ursache des Absturzes
    Wie es zum Absturz kam, ist nie geklärt worden. Nach dem Forschungsprojekt vermutete die West-Berliner Polizei, er habe schließlich Gas ablassen können, der Ballon sei schnell gefallen und durch Windeinfluss abgebremst worden, wodurch er aus der Halterung geschleudert wurde; der Tagesspiegel (2014) berichtet, die Ermittler glaubten, er sei beim Aufschlitzen der Hülle aus der provisorischen Halterung gerutscht.
    Die Trennung beim Start
    Nach dem Forschungsprojekt entschied das Paar aus Furcht, der Ballon trage noch keine zwei Personen, dass er allein starten solle. Der Stasi-Bericht an Honecker sagt, nur er habe fliegen sollen, seine Frau habe sich aus Angst versteckt und den Ort verlassen. Der Spiegel (2001) gibt ihre spätere Schilderung gegenüber einer Berliner Zeitung wieder: Sie habe ihm zugerufen, er solle aufsteigen, weil das Gas nicht für beide reiche; er habe zurückgerufen, sie solle mitkommen; sie habe geantwortet, sie blieben beide hier.
    Beginn des Befüllens
    Nach dem Forschungsprojekt begann er gegen Mitternacht mit dem Befüllen; SPIEGEL Geschichte (2019) nennt etwa 23 Uhr, der Tagesspiegel (2014) schreibt, sie hätten beim Eintreffen der Polizei gegen zwei Uhr schon fast drei Stunden lang Gas eingeleitet.
    Art des Ballons
    Der Kopf der englischen Fassung der Biografie des Forschungsprojekts spricht von einem Heißluftballon. Das deutsche Original nennt nur einen Ballon; aus dem Text geht hervor, dass es ein Gasballon war, den er an einer Reglerstation mit Erdgas füllte.

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